James Courtney und Garth Tander haben die scharfe Kritik von Nico Rosberg und Jacques Villeneuve an Oscar Piastri nach dem Spanien-Grand-Prix zurückgewiesen und die Bewertung von dessen Saison als unfair bezeichnet. Aus ihrer Sicht blendet sie McLarens eigene Probleme aus, obwohl Piastri trotz eines schwachen Wochenendes in Barcelona nur fünf Punkte hinter Lando Norris liegt.
Auslöser der Debatte war die Sky-Sports-Berichterstattung zum Rennen in Barcelona-Catalunya. Piastri kam als Fünfter ins Ziel, profitierte dabei aber von den späten Ausfällen von Kimi Antonelli und Charles Leclerc. Während Norris auf das Podium fuhr, lag Piastri rund 25 bis 30 Sekunden hinter seinem Teamkollegen.
Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister von 2016, deutete das als Zeichen eines klaren Negativtrends. Bei Sky F1 sagte er: „In letzter Zeit läuft es für ihn nicht besonders gut. Sein Marktwert ist in den vergangenen Wochen und Monaten etwas gesunken.“ Rosberg verwies zudem darauf, dass Piastri sich mit dem aktuellen Auto noch nicht wohl fühle und „den Anschluss verliert“.
Jacques Villeneuve, Formel-1-Weltmeister von 1997, verschärfte die Kritik noch. Er sagte bei Sky Sports, man habe diese Entwicklung schon im Vorjahr gesehen: „Dann ist er eingebrochen, seine Form ist abgefallen, und er hat sich davon nicht erholt.“ Weiter sagte Villeneuve: „Niemand spricht mehr über ihn, und das in einem Zeitraum von vielleicht sechs Monaten oder sogar weniger.“
Die deutlichste Gegenreaktion kam aus Australien. Garth Tander, Supercars-Champion von 2007, nannte die Einschätzung bei MotorRacing 360 „sehr seltsam“. Entscheidend sei, dass Piastri „nur fünf Punkte hinter Lando“ liege. Barcelona sei kein gutes Wochenende gewesen, sagte Tander, „aber das war ein Wochenende“. Gerade deshalb passe die Härte der Urteile für ihn nicht zum Gesamtbild.
Tander widersprach auch direkt der These eines gesunkenen Fahrerwerts. Er sagte, Piastri würde bei einem freien Cockpit weiterhin ganz oben auf den Wunschlisten der Topteams stehen: „Sein Name würde bei jedem Team ganz oben auf der Liste stehen, wenn es eine Verfügbarkeit gäbe. Ich verstehe diese Einschätzung überhaupt nicht.“
James Courtney, Supercars-Champion von 2010, argumentierte ähnlich und verwies stärker auf die Form des Teams als auf die des Fahrers. Ebenfalls bei MotorRacing 360 sagte er: „Ich finde, das ist eine ziemlich harte Zusammenfassung seiner Saison. McLaren hat als Team nicht geglänzt, deshalb ist es für ihn schwer, gut auszusehen.“ Im Vergleich zum Vorjahr habe McLaren nicht mehr dieselbe Dominanz, und genau das präge auch Piastris Ergebnisse.
Courtney ging mit Rosberg und Villeneuve ebenfalls hart ins Gericht. „Dass sie mit so etwas rauskommen, finde ich unglaublich hart“, sagte er. „Vielleicht sind sie einfach schon ein bisschen zu lange raus aus der Realität der Situation.“
Damit hat sich die Diskussion nach Barcelona schnell verschoben. Statt nur Piastris schwachen fünften Platz zu bewerten, steht nun die Frage im Raum, ob seine Saison überhaupt isoliert beurteilt werden kann, solange McLaren insgesamt hinter den eigenen Maßstäben bleibt und der Rückstand auf Norris im Klassement dennoch bei nur fünf Punkten liegt.
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