© Jonathan Borba

Pat Symonds fordert V8-Wende für F1 ab 2031

Anzeige

Pat Symonds hat für das Formel-1-Motorenreglement ab 2031 ein Gegenmodell zur aktuellen Richtung entworfen: In einem Gastbeitrag für Autosport plädiert der langjährige F1-Ingenieur für einen Saug-V8 mit mindestens 750 PS und deutlich gezielterer Hybrid-Unterstützung, um Kosten zu senken, das Racing zu verbessern und „die Emotionen zurück in die Formel 1“ zu bringen.

Im Zentrum seiner Vision stehen drei Ziele. „Erstens sollten die Kosten des Antriebs sinken. Zweitens sollte das Reglement die Effizienzgrenzen des Verbrennungsmotors weiter verschieben, damit die Technologie für Hersteller relevant bleibt, ohne gleichzeitig unabhängige Anbieter vom Einstieg abzuschrecken.“ Vor allem der dritte Punkt ist für Symonds entscheidend: „Drittens - und vielleicht am wichtigsten - muss der Antrieb Emotionen wecken. Die Fans sollen das Gefühl haben, etwas Besonderes erlebt zu haben: etwas, das ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, etwas unmittelbar Spürbares, das sie immer wieder zurückkommen lässt.“

Genau deshalb würde er trotz der bekannten Effizienzvorteile bewusst auf den Turbo verzichten. Symonds will einen hochdrehenden, lauten Motor, aber nicht die seit 2014 in der Formel 1 genutzte Turbo-Architektur. „Der Effizienzgewinn durch einen Turbo hat seinen Preis. Er dämpft den Auspuffklang und erhöht Kosten und Komplexität. Vor allem aber erhöht er durch zusätzliche Komponenten wie Ladeluftkühler auch das Fahrzeuggewicht“, schrieb er. Das laufe dem Wunsch der Fahrer nach agileren Autos entgegen, weshalb er den Effizienzverlust eines Saugmotors in Kauf nehmen würde.

Sein Vorschlag zielt jedoch nicht auf eine Rückkehr zu einem rein konventionellen Antrieb. Symonds widerspricht ausdrücklich der Forderung, Hybridisierung komplett zu streichen. „Viele sagen, man sollte komplett auf Hybridisierung verzichten, aber dem widerspreche ich. Zu einem modernen Antriebsstrang gehört Elektrifizierung. Die intelligente Kombination der Eigenschaften von Elektromotor und Verbrennungsmotor führt zu einer besseren Gesamtlösung.“

Statt des heutigen Konzepts schwebt ihm ein System mit hoher Leistung, aber geringer Energiemenge vor. Die elektrische Leistung soll von derzeit rund 350 kW auf 250 kW sinken, der zusätzliche Schub nur noch etwa sechs bis acht Sekunden pro Runde verfügbar sein. Nach Symonds' Vorstellung wäre das genug für ein Überholmanöver und würde zugleich kleinere und leichtere Batterien ermöglichen. Insgesamt soll der Boost nur über ungefähr ein Drittel der Renndistanz nutzbar sein.

Für Symonds liegt der sportliche Wert dieses Ansatzes darin, dass elektrische Zusatzleistung gezielt Zweikämpfe fördern soll, statt vor allem Rundenzeit zu produzieren. Hohe Leistung sei für Überholmanöver sinnvoll, schrieb er, „besser als es mit dem Drag-Reduction-System (DRS) jemals war“. Große Energiemengen hält er dagegen nicht für sinnvoll, wenn es nur um schnellere Runden geht.

Damit verbindet er auch eine Kritik an der heutigen Formel 1. Mit einem kurz verfügbaren E-Boost würde nach seiner Ansicht mehr taktische Verantwortung zu den Fahrern zurückkehren, statt dass Algorithmen im Power-Unit-System die optimale Energiefreigabe vorgeben oder Ingenieure am Kommandostand mit allen Daten die Entscheidungen dominieren.

Sein Fazit fällt entsprechend klar aus: „Eine solche Lösung könnte die Kosten senken, Effizienz als entscheidendes Wettbewerbsmerkmal erhalten, das Racing verbessern und vor allem die Emotionen zurück in die Formel 1 bringen.“ Für die Debatte um die Motoren nach 2030 markiert Symonds damit eine klare Gegenposition: weniger Komplexität, weniger Gewicht und mehr akustische wie fahrerische Wirkung.

Anzeige