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Miami-Regeländerung könnte Ferrari hart treffen

Ab dem Grand Prix von Miami treten nach Gesprächen zwischen FIA, FOM, Teams und Fahrern kurzfristig vereinbarte Anpassungen für die 2026er Autos und Power Units in Kraft, und genau diese Eingriffe könnten das Kräfteverhältnis an der Spitze neu ordnen.

Der schärfste sportliche Effekt wurde von Juan Pablo Montoya, dem ehemaligen Formel-1-Fahrer, in der RacingNews365 Review benannt. Die Änderungen würden „eine große Ferrari-Stärke wegnehmen und allen Mercedes-angetriebenen Teams helfen“. Damit steht Ferrari ausgerechnet vor einem Wochenende unter besonderer Beobachtung, an dem der Rennstall eigentlich weiter Boden gutmachen wollte.

Dass es überhaupt zu den Anpassungen kommt, zeigt, wie groß der Handlungsdruck nach den ersten Saisonrennen geworden ist. FIA-Einsitzer-Direktor Nikolas Tombazis sagte, in den Gesprächen über die Vorschläge seien Beteiligte über ihre „comfort zone“ hinausgedrängt worden. Erst danach habe es einen „genuine consensus“ gegeben. Während der unerwarteten Pause kamen die entscheidenden Personen zusammen, um festzulegen, welche Änderungen nötig waren, und mehrere davon werden nun in Miami umgesetzt.

Auslöser waren auch die Beschwerden der Fahrer in den ersten drei Runden der Saison. David Coulthard, ebenfalls ehemaliger Formel-1-Fahrer, erwartet trotzdem nicht, dass Miami sofort eine eindeutige Antwort auf die Wirkung der Eingriffe liefern wird. Nach den Beanstandungen habe es in der April-Pause eine Reihe von Sitzungen gegeben, doch ein einzelnes Wochenende werde den Einfluss der neuen Vorgaben nicht sauber isolieren.

Gerade deshalb ist die Ausgangslage vor Miami so brisant. Mercedes hat 2026 bislang alle drei Rennen gewonnen und führt sowohl die Fahrer- als auch die Teamwertung an. Das Team war in jedem Qualifying bislang tonangebend, auch wenn sich in Japan andeutete, dass die Konkurrenz im Renntrimm näherkommt. Dort setzte McLaren mit Oscar Piastri Mercedes unter Druck und beendete das Wochenende mit Platz zwei, dem ersten Podium der Saison.

McLaren reist nun mit noch größerem Anspruch nach Florida. Der Rennstall hatte angekündigt, über Miami und das folgende Kanada-Wochenende hinweg ein „completely new car“ zu bringen. Teamchef Andrea Stella sagte, man habe jetzt „all the tools that are required to extract the most out“ der Mercedes-Power-Unit, doch der Schwerpunkt liege weiter auf dem Chassis. Wenn dieses Paket funktioniert, könnte Miami nicht nur ein Test der Regelanpassungen werden, sondern auch der Moment, in dem McLaren aus dem Verfolgerfeld in den direkten Siegeskampf rückt.

Für Ferrari ist die Lage doppelt heikel. Der Start in die Saison hat die Stimmung in Maranello verbessert, Charles Leclerc holte in den ersten drei Rennen zwei Podestplätze, und Lewis Hamilton genießt das Fahren laut der Vorschau erstmals seit 2021 wieder. Gleichzeitig fehlt Ferrari bislang noch das Tempo für einen Sieg. Miami galt deshalb ohnehin als wichtiger Prüfstein für ein großes Upgrade-Paket. Wenn Montoyas Einschätzung zutrifft, muss Ferrari dort nicht nur den Abstand zu Mercedes verkleinern, sondern womöglich auch eine seiner bisherigen Stärken neu kompensieren.

Mercedes selbst reist trotz der perfekten Bilanz nicht sorgenfrei an. Das Team weiß, dass es bei der Zuverlässigkeit nachschärfen muss, und der interne Kampf zwischen George Russell und Kimi Antonelli gewinnt an Schärfe. Russell dominierte das Auftaktwochenende in Australien, hatte danach aber kleinere Probleme, während Antonelli diese Phase mit Siegen in China und Japan nutzte, um an die Spitze der Fahrerwertung zu stürmen. Wenn die Änderungen tatsächlich den Mercedes-betriebenen Autos helfen, könnte der Vorteil des Weltmeisterschaftsführenden Teams in Miami sogar noch stabiler werden.

Damit wird das Wochenende in Miami zum ersten echten Belastungstest einer Regelkorrektur, die mitten in der Saison beschlossen wurde. Noch ist offen, wie deutlich der Effekt schon auf dem Miami International Autodrome sichtbar wird. Klar ist aber: Sollten die Eingriffe Ferrari treffen und Mercedes stärken, könnte sich die Richtung des Titelkampfs schon jetzt verfestigen, bevor McLarens neues Auto und Ferraris Upgrade-Offensive überhaupt vollständig bewertet sind.