Martin Brundle hat erzählt, dass er erst auf einer Messe in Birmingham erfuhr, dass seine Formel-1-Karriere Ende 1996 bereits vorbei war, weil Jordan für 1997 stattdessen Ralf Schumacher und Giancarlo Fisichella angekündigt hatte.
Im Interview mit Sky Sports F1 sagte Brundle, er sei damals davon ausgegangen, weiter für Eddie Jordan zu fahren. „Lange Geschichte, eigentlich dachte ich, ich würde 1997 für Eddie fahren“, sagte er. Als er auf der von ihm so genannten „racing car show“ in Birmingham gefragt habe, wie lange er noch da sei, habe er geantwortet: „Ich weiß nicht, noch eine Stunde. Braucht ihr mich für irgendetwas?“ Die Antwort habe gelautet, es sei „vielleicht besser, wenn du nicht hier bist“, weil Jordan bereits Schumacher und Fisichella als seine beiden Fahrer bekanntgegeben habe.
„So habe ich an diesem Tag erfahren, dass ich kein Formel-1-Fahrer mehr war“, sagte Brundle. Besonders bitter war das für ihn, weil er keinen bewussten Abschied bekam. Wenn er heute Fahrer mit Abschiedstouren sehe, sei er „leicht neidisch“, sagte er.
Sein letztes Rennen war nach eigener Aussage Suzuka 1996, das er als Fünfter beendete. Damit endete seine Grand-Prix-Karriere auf demselben Platz, auf dem sie begonnen hatte: Auch bei seinem Debüt 1984 kam er als Fünfter ins Ziel.
Trotz des Ärgers zeigte Brundle Verständnis für Jordans Entscheidung. „Ganz ehrlich, wenn ich Eddie gewesen wäre, hätte ich dasselbe getan, denn ich war am Ende meiner Haltbarkeit angekommen, und er hat zwei junge Wilde ins Auto gesetzt“, sagte er. Zugleich machte er klar, was ihn bis heute daran stört: „Aber es war trotzdem eine ziemlich harsche Art, das herauszufinden.“
Noch schwieriger wurde für ihn der direkte Übergang aus dem Cockpit in die Medien. Brundle sagte, ihm habe zu Beginn der Saison 1997 weiter das Adrenalin, die Arbeitsintensität und die Wettbewerbsenergie eines aktiven Fahrers in den Knochen gesteckt. Als sich das Feld für den Saisonauftakt in Melbourne zur Startaufstellung formierte, habe er innerlich panisch reagiert: „Stopp, ihr könnt noch nicht losfahren, ich bin noch nicht da, ihr könnt keinen Grand Prix starten.“
Brundle sagte, er sei „gegen alle meine Instinkte und gegen meinen Willen“ an die Seite von Murray Walker in die Kommentatorenkabine gekommen. Aus dem abrupten Karriereende entstand so seine zweite Laufbahn, die 2026 bereits in die 30. Saison als TV-Experte geht.
© Jonathan Borba