Jacky Ickx hält die Zuschauerzahlen für den entscheidenden Maßstab bei der Bewertung der umstrittenen aktuellen und künftigen Formel-1-Regeln. Der Belgier sagte im Interview mit Motorsport.com, nicht Nostalgie oder Kritik aus dem Fahrerlager seien ausschlaggebend, sondern ob das Publikum der Serie weiter in großer Zahl folgt.
„Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Formel 1 von gestern mit der von heute zu vergleichen“, sagte Jacky Ickx, ehemaliger Formel-1-Fahrer, gegenüber Motorsport.com. „Meine Meinung spielt keine Rolle. Entscheidend ist, wie sich das Publikum verhält.“
Für Ickx liegt darin die eigentliche Antwort auf die Debatte um die Richtung der Serie und das Reglement für 2026. „Es geht darum, ob die Menschen die F1 verfolgen und in welchem Ausmaß sie das tun“, sagte er. „Das Publikum ist der Schlüssel zu allem. Wenn die F1 die Aufmerksamkeit hochhält und gute Quoten erzielt, dann ist es gut. Ohne das Publikum kann man nichts machen. Wenn das Publikum da ist, dann ist es gut.“
Damit stellt sich Ickx gegen die Sichtweise vieler Kritiker, die moderne Formel 1 vor allem an früheren Epochen messen. Er verwies selbst auf den Unterschied zwischen seiner Zeit und den heutigen Autos. „Zu meiner Zeit sahen wir auf dem Dashboard wirklich nur vier Parameter“, sagte er. Heute müssten Fahrer „an viel mehr Dinge denken“.
Für die Fans sei das jedoch nicht der Kern der Sache. Ickx sagte, die Zuschauer interessierten sich „nicht wirklich dafür, was unter der Haube steckt“. Entscheidend seien „die Kämpfe auf der Strecke: ob der Kampf gut ist, ob die Herausforderung intensiv ist“. Genau das zähle. „Wir haben noch nie so hohe Zuschauerzahlen gesehen.“
Seine Aussagen kommen mitten in einer anhaltenden Auseinandersetzung über die aktuelle Richtung der Formel 1 und das 2026er Reglement. Zu den lautesten Kritikern zählen Fahrer wie Max Verstappen und Lando Norris. Verstappen hatte den Stil des Rennens zuvor scharf kritisiert und gesagt: „Es macht überhaupt keinen Spaß. Es ist wie Mario Kart. Das ist kein Rennsport.“ Später warnte er sogar: „Es wird den Sport am Ende ruinieren. Es wird auf sie zurückfallen.“
Ickx' Position erhält zusätzlich Gewicht durch die Zahlen, auf die sich die Debatte stützt. In der Berichterstattung ist von einem weltweiten TV-Zuwachs von 26 Prozent zum Saisonauftakt in Australien, 32 Prozent in China und 19 Prozent in Suzuka die Rede. Auch an den Strecken stieg das Interesse demnach weiter, mit einem Plus von 4 Prozent in Albert Park, 4,5 Prozent in Shanghai und 18 Prozent in Japan.
Gerade deshalb verschiebt Ickx den Schwerpunkt der Diskussion weg von technischen Grundsatzfragen und hin zum Publikum. Solange die Formel 1 Aufmerksamkeit bindet und die Kämpfe auf der Strecke genügend Reiz erzeugen, sieht er in den hohen Reichweiten das stärkste Argument dafür, dass die Serie ihren Kurs aus Sicht des Marktes bislang getroffen hat.
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