© Jonathan Borba

Italien prüft F1-Steuern rückwirkend

Die italienische Guardia di Finanza hat ihre Steuerermittlungen gegen die Formel 1 offenbar deutlich ausgeweitet und nimmt nach Rennen in Monza, Imola und Mugello nicht nur Teams, sondern laut Berichten inzwischen alle aktuellen und jüngeren Fahrer ins Visier, um mutmaßlich nicht gezahlte Abgaben auch rückwirkend einzutreiben.

Wie Il Resto del Carlino berichtet und von RacingNews365 zitierte Quellen ergänzen, haben die Behörden Fahrer bereits per Schreiben aufgefordert, Steuererklärungen für das Steuerjahr 2025 einzureichen und sich persönlich oder über Vertreter zum weiteren Vorgehen zu melden. Brisant ist die mögliche rechtliche Tragweite: Überschreitet der nicht gezahlte Steuerbetrag bei einer Einzelperson 50.000 Euro, kann das in Italien als Straftat gewertet werden. Neben Nachzahlungen drohen dann erhebliche Geldstrafen.

Im Zentrum steht nach dem Bericht zunächst die Rolle der nicht in Italien ansässigen Teams. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Vergütung ihrer Fahrer für in Italien ausgeübte Arbeit keine Quellensteuer einbehalten und abgeführt zu haben. Nach italienischem Recht gelten Fahrer in diesem Zusammenhang als Selbständige. Die Teams müssten deshalb als zum Steuerabzug verpflichtete Zahlstellen auftreten und den fälligen Anteil an den Fiskus abführen.

Die Ermittler sollen sich dabei nicht auf ein einzelnes Jahr beschränken. Laut den von RacingNews365 zitierten Quellen will die italienische Steuerverwaltung dort, wo es rechtlich möglich ist, mehrere Jahre rückwirkend aufrollen. Um die tatsächlich in Italien erzielten Einkünfte genau nachzuvollziehen, sollen die Behörden auch Einblick in Fahrer- und Sponsorenverträge verlangen.

Die finanzielle Dimension könnte erheblich sein. Il Resto del Carlino schrieb, dass dem italienischen Staat im Fall bestätigter Versäumnisse Hunderte Millionen Euro entgangen sein könnten. Das würde den Fall weit über eine gewöhnliche Prüfung hinausheben, weil damit sowohl die Abrechnungspraxis internationaler Teams als auch die persönliche Steuerposition zahlreicher Fahrer neu bewertet werden könnte.

Ausgelöst wurde die neue Dynamik laut dem Bericht durch Informationen und ein Dossier, das der Anwalt Alessandro Mei im Juni des Vorjahres eingereicht haben soll. Parallel dazu stehen die Untersuchungen im Zusammenhang mit Prüfungen der Rechnungshöfe in der Lombardei, der Emilia-Romagna und der Toskana beziehungsweise der Corte dei Conti in den drei betroffenen F1-Provinzen. Damit wächst der Druck auf Teams und Fahrer gleichermaßen, falls die italienischen Behörden ihre Linie nun konsequent über mehrere Jahre durchsetzen.