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Incheon macht Formel-1-Rückkehr ab 2028 konkreter

Incheon hat den bislang greifbarsten Schritt für eine Rückkehr Südkoreas in die Formel 1 gemacht. Nach einer positiv bewerteten Machbarkeitsstudie will die Stadt eine offizielle Bewerbung für ein Stadtrennen ab 2028 auf einem 4,96 Kilometer langen Straßenkurs rund um den Songdo Moonlight Festival Park weiterverfolgen. Statt einer Rückkehr nach Yeongam setzt das Projekt auf einen neuen Kurs in Incheon, der laut den vorliegenden Zusammenfassungen mit Beteiligung von Tilke geplant wurde.

Nach Angaben der Korea Times strebt Incheon zunächst einen Fünfjahresvertrag an. Yoo Jeong-bok, Incheon-Bürgermeister, sagte laut Korea Times in dem Bericht über die Studie und die Bewerbung der Stadt: „ein Formel-1-Rennen wäre ein treibender Faktor, der das Stadtmarketing und die Tourismusbranche neu formen könnte.“ Die Studie wurde laut Korea Times gemeinsam vom Korea Industrial Development Institute und dem deutschen Streckendesignbüro Tilke erstellt.

Die Zahlen aus den Zusammenfassungen zeigen, warum die Stadt das Thema weiter anschiebt. Demnach taxiert die Studie den möglichen Tourismuseffekt auf 580 Milliarden Won, also auf mehr als 250 Millionen Euro, und fast 5.000 neue Arbeitsplätze. In einer Fünfjahresperspektive beziffern die Zusammenfassungen den möglichen Gesamtnutzen teils auf mehr als 800 Millionen Euro. Gleichzeitig wäre der Einstieg teuer. Laut den Zusammenfassungen würde das Vorhaben eine Anfangsinvestition von 553,6 Millionen Euro erfordern.

Der geplante Grand Prix hätte mit dem früheren Korea International Circuit in Yeongam nichts mehr zu tun. Südkorea trug dort von 2010 bis 2013 vier Formel-1-Rennen aus, doch das neue Konzept setzt auf einen temporären Stadtkurs in Incheon. Nach den Zusammenfassungen soll die Strecke bestehende Straßen nutzen, während Boxengebäude und Tribünen neu gebaut werden müssten. Der Kurs wird mit 4,96 Kilometern Länge beschrieben, mit einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 337 km/h. Die Kapazität läge laut den Zusammenfassungen bei 120.000 Zuschauern pro Tag und bis zu 300.000 über das gesamte Wochenende.

Trotz des positiven Signals ist der Weg in den Kalender noch lang. Die Zusammenfassungen beschreiben das Projekt als sehr frühes Stadium. Konkrete Verhandlungen mit Liberty Media hat es demnach bisher nicht gegeben, und ein Vertrag ist nicht unterschrieben. Laut Korea Times müsste zunächst weitere Rückendeckung auf lokaler Ebene gesichert werden, danach nationale politische Unterstützung folgen. Anschließend wäre ein Tender für einen Promoter nötig, bevor die Formel 1 das Projekt überhaupt prüfen könnte.

Genau dort liegt die nächste Hürde. Stefano Domenicali, Formel-1-CEO, hat laut den Zusammenfassungen wiederholt klargemacht, dass er den Kalender nicht über die aktuellen 24 Rennen hinaus ausweiten will. Neue Austragungsorte brauchen also nicht nur Geld und politische Unterstützung, sondern auch einen freien Platz im Kalender. Nach den Zusammenfassungen verfolgt Incheon trotzdem weiter das Zieljahr 2028.

Damit ist Südkoreas Vorstoß mehr als nur eine lose Idee, aber noch lange kein Deal. Die Machbarkeitsstudie hat das Projekt nach vorn gebracht. Alles Weitere, von politischer Absicherung bis zu Gesprächen mit der Formel 1, steht noch aus.