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Honda drohen 19 Mio Dollar F1-Nothilfe

Honda könnte nach dem Kanada-Wochenende im Rahmen des ADUO-Nachholsystems bis zu 19 Millionen Dollar zusätzliche Entwicklungsfreiheit und mehr Prüfstandszeit erhalten, weil der neue 2026er Antrieb laut Berichten rund zehn Prozent hinter dem Referenzniveau liegt und die Formel 1 einen möglichen Rückzug des Herstellers verhindern will.

Damit ginge es nicht nur um ein normales Aufholprogramm innerhalb des Reglements. Im Fahrerlager wird die Debatte laut Berichten zunehmend als Schutzmaßnahme für das gesamte Feld verstanden, weil Honda mit Aston Martin sportlich massiv ins Hintertreffen geraten ist und ein Ausstieg eines großen Herstellers für die Serie politisch und wirtschaftlich als zu riskant gilt.

Ausgangspunkt ist Hondas schwieriger Start in die neue Ära mit Aston Martin. Der 2026er Power-Unit soll seit Saisonbeginn unter zu geringer Leistung und Zuverlässigkeitsproblemen leiden. Dazu kommt beim AMR26 ein schweres Vibrationsproblem, das sogar Sorgen um die Gesundheit der Fahrer ausgelöst haben soll. Fernando Alonso und Lance Stroll kämpfen damit nur im hinteren Teil des Feldes.

Die diskutierte Hilfe wäre an die ADUO-Regeln gekoppelt, die Herstellern bei deutlichem Rückstand zusätzliche Entwicklungs- und Upgrade-Möglichkeiten geben. Wer zwei Prozent hinter dem Benchmark liegt, erhält ein zusätzliches Upgrade pro Jahr. Ab vier Prozent Rückstand sind es zwei zusätzliche Entwicklungschancen pro Saison. Bei Honda soll der Abstand aber deutlich größer sein. Wird der Hersteller von der FIA als mehr als zehn Prozent hinter dem Referenzwert eingestuft, könnte das Paket laut den Berichten aufgestockt werden.

Dann würde Hondas Entwicklungsetat im Cost-Cap-System um 11 Millionen Dollar steigen. Hinzu käme eine zusätzliche leistungsbezogene Entlastung von bis zu 8 Millionen Dollar. Zusammen ergäbe das 19 Millionen Dollar zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Parallel könnte die zulässige Prüfstandszeit von 190 auf 230 Stunden wachsen.

Ganz frei verfügbar ist dieses Geld allerdings nicht. Vor allem der zweite Teil des Pakets ist laut den Berichten als rückzahlbare Entlastung angelegt. Nimmt ein Hersteller die maximalen 8 Millionen Dollar in 2026 und 2027 in Anspruch, muss er diese Summe in den drei darauffolgenden Jahren vollständig über niedrigere Cost-Cap-Ausgaben zurückführen. Dabei muss in jedem dieser Jahre jeweils zwischen 20 und 50 Prozent des Gesamtbetrags abgetragen werden.

Das erklärt, warum die mögliche Hilfe zwar kurzfristig Luft verschaffen würde, aber keine folgenlose Sonderbehandlung ist. Sie verschiebt Entwicklungsaufwand nach vorn, belastet dafür aber die mittelfristige Planung. Gerade für einen Hersteller in einer tiefen sportlichen Krise ist das eine heikle Abwägung.

John Noble, Journalist von The Race, sagte im Interview auf dem YouTube-Kanal von The Race: „Honda risked not being able to solve the problem and turning away from F1, and each team and manufacturer was concerned about that. Losing a major automaker like Honda would not be in the interests of the whole of F1.”

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz des Falls. Die Formel 1 versucht offenbar nicht nur, einen angeschlagenen Motorenpartner wieder konkurrenzfähiger zu machen. Sie will verhindern, dass einer der neuen Hersteller der 2026er Generation so früh in eine Lage gerät, aus der ein Rückzug denkbar wird.

Für Aston Martin wäre jede zusätzliche Entwicklungsfreiheit unmittelbar wichtig, weil das Werksteam seine neue Partnerschaft mit Honda um den sportlichen Neustart aufgebaut hat. Wenn der Antrieb weiter zurückliegt, trifft das nicht nur die Ergebnisse von Alonso und Stroll, sondern das gesamte Projekt in seiner ersten entscheidenden Phase.

Der Fall reicht aber über Aston Martin hinaus. Laut den Berichten steht das 2026er Motorenreglement schon kurz nach seinem Start unter politischem Druck. Die Energierückgewinnungsgrenzen wurden ab dem Miami Grand Prix bereits entschärft, und im Fahrerlager laufen Gespräche über einen stärkeren Anteil des Verbrennungsmotors ab 2027. Dass Honda nun als Kandidat für eine faktische Rettungsmaßnahme gilt, zeigt, wie schnell die Formel 1 bereits wieder am nächsten Kurswechsel arbeitet.