© Morio

Gasly fordert Kanada-Beweis für Alpines Miami-Schub

Pierre Gasly sieht in Alpines starkem Miami-Wochenende einen echten Fortschritt, warnt aber davor, den Aufschwung zu früh als Durchbruch zu feiern: Nach 23 Punkten aus den ersten vier Runden und Rang fünf in der Konstrukteurswertung komme es nun darauf an, den Tempo-Vorteil auch in Kanada zu bestätigen.

Alpine verließ Miami mit einem Punkt aus dem Sprint durch Gaslys achten Platz und mit sieben WM-Zählern aus dem Grand Prix, nachdem Franco Colapinto nach der nachträglichen 20-Sekunden-Strafe gegen Charles Leclerc als Siebter gewertet wurde. Damit hat das Team bereits nach vier Rennwochenenden 23 Punkte gesammelt und damit einen mehr als in der gesamten Saison 2025.

Gasly sprach danach von vorsichtigem Optimismus. „Natürlich hoffe ich, dass es in Kanada genauso sein wird“, sagte der Alpine-Pilot. „In Miami waren wir im Vergleich zum restlichen Mittelfeld überraschend stark.“ Entscheidend sei nun, dass diese Form nicht nur an die Streckencharakteristik in Florida gebunden gewesen sei. „Ich hoffe, dass das nicht spezifisch für diesen Kurs war.“

Für Gasly ist der aktuelle Aufschwung eng mit einer strategischen Entscheidung aus der schwierigen Vorsaison verbunden. Alpine hatte den Fokus früh von den alten Regeln weggenommen und auf das 2026er Auto gelegt. Rückblickend sagte er, es habe 2025 zwar „schlechte Presse über das Team“ gegeben, intern habe man aber „genau gewusst, was wir tun“. Das Team habe sich darauf verständigt, „einen Schlussstrich unter das vorherige Reglement zu ziehen und uns auf dieses hier zu konzentrieren“.

Trotz der starken Ausbeute in Miami sieht Gasly vor Montreal noch klare Baustellen. Er räumte ein, dass ihm über eine Runde Tempo fehlte und er in beiden Qualifyings hinter Colapinto lag. „Es gibt drei oder vier Zehntel, die wir finden müssen“, sagte er und verwies dabei auf seine Probleme bei der Traktion. Deshalb sei es wichtig gewesen, die gute Form in Miami mitzunehmen, bevor in den kommenden zwei Wochen weiter an den Schwächen gearbeitet werde. Jetzt gehe es darum, „sicherzustellen, dass wir diesen Performance-Vorteil in Kanada behalten“.

Auch Teamchef Steve Nielsen bewertet den Schritt nach vorn als real, aber nicht als abgesichert. Alpine habe „tatsächlich einen Schritt gemacht“, sagte er in Miami, und die Verbesserung gegenüber 2025 sei deutlich spürbar. Nielsen ordnete das Team aktuell etwa auf dem Niveau des „Best of the Rest“ ein, also knapp hinter den Topteams.

Gerade deshalb betrachtet Alpine Kanada als wichtigeren Maßstab als Miami. Nielsen verwies darauf, dass mehrere Teams in Florida größere Updates gebracht hätten und sich die Reihenfolge im Feld dadurch verschoben habe. „Was wir in Miami gesehen haben, muss nicht das sein, was wir in Montreal, Barcelona oder Monaco sehen werden“, sagte er. Für Alpine geht es nun darum zu zeigen, dass der Vorsprung im Mittelfeld nicht nur ein gutes Wochenende war, sondern der belastbare Ertrag des 2026-Neustarts.