Leonardo Fornaroli hat mit seinem Haas-Test am 17. und 18. Juni in Jerez die Spekulationen um ein mögliches Stammcockpit bei Haas für 2027 deutlich angeheizt. Der 21 Jahre alte Italiener gilt nach seinem Formel-2-Titel als einer der auffälligsten Namen für die langfristige Fahrerplanung des Teams.
Dass der Einsatz im Fahrerlager sofort für Gesprächsstoff sorgte, lag nicht nur an Fornarolis Erfolgsbilanz. Der amtierende Formel-2-Champion hatte zuvor bereits den Formel-3-Titel gewonnen und gehört zum Entwicklungsprogramm von McLaren, zudem arbeitet er dort als Reservefahrer. Gerade deshalb fiel auf, dass er ausgerechnet bei einem Haas-TPC-Test fuhr.
Ungewöhnlich war das vor allem wegen des Rahmens dieser Einsätze. Die privaten Haas-Tests werden laut den vorliegenden Berichten üblicherweise von Toyota begleitet und dienen meist dazu, japanische Nachwuchsfahrer zu fördern. Dass stattdessen ein McLaren-gebundener Fahrer wie Fornaroli in Jerez im Auto saß, machte aus einem normalen Testtermin plötzlich ein Thema für den Fahrermarkt 2027.
Ayao Komatsu, Haas-Teamchef, versuchte beim Österreich-Grand-Prix jedoch, die Bedeutung des Tests einzuordnen. „Ich weiß nicht, wohin uns das führen wird, aber das Ziel unseres TPC-Programms ist es, jungen Fahrern Chancen zu geben“, sagte Komatsu. Über Fornaroli sagte er weiter: „Leo ist der amtierende F2-Champion. Er ist ein solider Fahrer und hat ein exzellentes Förderprogramm bei McLaren, daher freuen wir uns, die Gelegenheit zu haben, ihn aus nächster Nähe zu bewerten.“
Damit lobte Komatsu zwar deutlich den Fahrer, vermied aber jedes Signal für eine baldige Personalentscheidung. Auf die Frage nach frischem Blut im Kader bremste er die Erwartungen: „Ich weiß nicht, ob wir einen neuen Fahrer brauchen, denn mein Fokus liegt auf unseren beiden aktuellen Fahrern.“
Trotzdem zeigt der Fall Fornaroli, dass sich der Kampf um die Haas-Sitze für 2027 bereits formiert. Zum Kreis der gehandelten Namen gehören auch Jack Doohan, der Reservefahrer des Teams mit Toyota-Unterstützung, Yuki Tsunoda als aktueller Red-Bull-Reservefahrer mit einem Profil, das zur Haas-Toyota-Verbindung passen würde, sowie Ferrari-Junior Rafael Câmara. Fornarolis Test hat diese Debatte nun auf ein neues Niveau gehoben.
© Jonathan Borba