Am Donnerstagabend vor dem Trainingsauftakt zum Großen Preis von Österreich versammelten sich am Red Bull Ring in Spielberg alle 22 Formel-1-Fahrer zum traditionellen Dinner von F1-CEO Stefano Domenicali. Was einst als lockere Initiative begann, ist unter seiner Leitung längst zu einem festen Termin des Österreich-GP-Wochenendes geworden und bringt das komplette Feld noch einmal abseits der Strecke an einen Tisch.
Gerade darin liegt die besondere Rolle des Abends. Das Treffen ist zwar in erster Linie ein geselliger Moment vor dem Start in ein Rennwochenende, es hatte in der Vergangenheit aber auch sportliches Gewicht. Domenicali nutzte die entspannte Atmosphäre nach den Berichten schon früher, um mit den Fahrern über Entwicklungen in der Formel 1 zu sprechen, darunter auch über die Einführung des Sprint-Formats. Das Spielberg-Dinner ist damit mehr als nur ein gemeinsames Essen, weil es den Entscheidern und Fahrern Raum für informelle Gespräche gibt, bevor am Freitag wieder der Wettbewerb dominiert.
Die diesjährige Ausgabe zeigte zugleich, wie breit das Feld 2026 aufgestellt ist. Am selben Abend kamen mehrere Generationen der Startaufstellung zusammen: Fernando Alonso ist 44 Jahre alt, Lewis Hamilton 41, Arvid Lindblad mit 18 Jahren der jüngste Fahrer im Grid. Dieses Nebeneinander von Routiniers und Neuzugängen passt zu dem Charakter des Dinners, das innerhalb des Kalenders auch eine soziale Funktion erfüllt.
Hamilton hatte die Bedeutung dieser Tradition bereits im vergangenen Jahr beschrieben. Lewis Hamilton, Ferrari-Fahrer und siebenmaliger Weltmeister, sagte damals: „Wir verbringen gern etwas Zeit miteinander, abseits der Verpflichtungen eines Rennwochenendes.“ Er ergänzte, es sei „auch eine Gelegenheit, über unsere Leidenschaften zu sprechen und uns besser kennenzulernen, weil jedes Jahr neue Jungs dazukommen und es schön ist, wenn sie so gut wie möglich aufgenommen werden“.
Genau dieser Gedanke bekam 2026 noch einmal zusätzliches Gewicht, weil die Startaufstellung gewachsen ist. Durch den Einstieg von Cadillac als elftem Team mussten im Vergleich zu 2025 zwei weitere Plätze eingeplant werden. Sergio Pérez und Valtteri Bottas gehörten deshalb ebenfalls zur Runde, was das Dinner nicht nur größer machte, sondern auch die veränderte Struktur des Feldes sichtbar werden ließ.
So wurde der Abend in Spielberg erneut zu einem kleinen Spiegelbild der Formel 1 kurz vor dem ersten Training: ein volles Feld, neue Namen, erfahrene Champions und ein Rahmen, in dem abseits des unmittelbaren Renndrucks auch Themen besprochen werden können, die über dieses eine Wochenende hinausreichen.
© Jonathan Borba