Der FIA World Motor Sport Council hat am 23. Juni in Macau die Neugewichtung der künftigen Formel-1-Antriebe für 2027 und 2028 formell abgesegnet und damit das ursprünglich fast ausgeglichene Hybridkonzept deutlich in Richtung Verbrenner verschoben, um Clipping, Lift-and-Coast und Vollgas-Verluste auf den Geraden zu verhindern.
Kern der Änderung ist die Abkehr vom problematischen 50:50-Ansatz zwischen Verbrenner und elektrischer Leistung, der in Simulationen zu Beginn der Saison 2026 erhebliche Sorgen ausgelöst hatte. Ingenieure befürchteten, dass die Autos auf langen Geraden die Batterie leeren könnten und Fahrer dann lupfen müssten, um Energie nachzuladen. An der kurzfristig ausgehandelten Einigung waren laut den vorliegenden Informationen FIA, Formula One Management, Teams und die Motorenhersteller Ferrari, Mercedes, Renault, Honda, Audi sowie Red Bull-Ford beteiligt.
Die nun ratifizierten Werte fallen klar aus. Die maximale Leistung des Verbrennungsmotors steigt von 400 kW im Jahr 2026 auf 420 kW 2027 und 450 kW 2028. Parallel dazu wird der Fuel Flow 2027 um 5 Prozent und 2028 um 13 Prozent gegenüber der 2026er Basis angehoben. Die Standardleistung des MGU-K wird dagegen von 350 kW auf 300 kW reduziert.
Ganz zurück nimmt die FIA den elektrischen Anteil aber nicht. Im Overtake Mode bleiben weiter 350 kW abrufbar, um in Duellphasen zusätzliche elektrische Leistung freizugeben. Gleichzeitig steigt die maximale Rekuperationsleistung von 350 kW 2026 auf 375 kW 2027 und 400 kW 2028. Damit verschiebt sich die Leistungsverteilung auf 58:42 im Jahr 2027 und schließlich auf 60:40 im Jahr 2028 zugunsten des Verbrenners.
Der Eingriff ist mehr als eine reine Zahlenkorrektur. Die FIA reagiert damit auf Befürchtungen rund um „clipping“, „superclipping“ und Leistungseinbrüche auf Geraden, nachdem frühere Gegenmaßnahmen und Recovery-Maßnahmen, die laut den Zusammenfassungen bereits in Miami erprobt worden waren, nicht als ausreichend galten. Ziel ist es, zu verhindern, dass Energiemanagement den Charakter des Rennfahrens überlagert.
Das gilt ausdrücklich auch für das Qualifying. Die Anpassungen sollen sicherstellen, dass Fahrer auf einer schnellen Runde voll attackieren können, ohne kinetische Energie künstlich einteilen zu müssen. Genau dieses Szenario hatte bei der ursprünglichen Architektur Zweifel ausgelöst, weil es selbst auf eine einzelne Qualifying-Runde Einfluss genommen hätte.
Mohammed Ben Sulayem, FIA-Präsident, sagte nach der WMSC-Sitzung in Macau: „Die FIA überwacht weiterhin die Entwicklung des Reglements für 2026 und arbeitet eng mit allen wichtigen Akteuren der Motorsport-Gemeinschaft zusammen.“ Er ergänzte, der Prozess ende bei einer großen Reglementänderung nicht mit den ersten gefahrenen Kilometern: „Kontinuierlicher Dialog und Zusammenarbeit sind entscheidend, um sicherzustellen, dass das Reglement den Bedürfnissen des Sports, seiner Fahrer und seiner Fans entspricht.“
Für die Formel 1 ist die Entscheidung vor allem deshalb bedeutend, weil sie die neue Motorenära noch vor ihrer vollen Etablierung grundlegend nachschärft. Statt eines Reglements, das Fahrer auf den Geraden zum Energiesparen zwingen könnte, setzt die FIA nun auf mehr Verbrennerleistung, mehr Flexibilität im Energieeinsatz und ein Verhältnis, das bis 2028 wieder klarer auf Racing und Vollgasrunden ausgelegt ist.
© Jonathan Borba