Ferraris frühe und häufige Updates am SF-26 haben nach dem Reglement-Neustart 2026 schon Siege von Lewis Hamilton in Spanien und Charles Leclerc in Großbritannien gebracht und zugleich offengelegt, warum Williams und Aston Martin ein ähnliches Entwicklungstempo derzeit nicht mitgehen können.
Die auffällige Upgrade-Offensive der Scuderia blieb im Fahrerlager nicht ohne Reaktion. Mercedes-Teamchef Toto Wolff stellte öffentlich die Frage, ob Ferrari bei so vielen Paket-Überarbeitungen das Budgetlimit der Formel 1 einhalten könne. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur wies das zurück und kritisierte, dass Wolff ausgerechnet sein Team herausgegriffen habe.
Vasseur sagte, es sei „ein bisschen seltsam“, dass Wolff Ferrari „in Silverstone“ herausgestellt habe. Seine Erklärung für Ferraris Vorgehen war klar: „Ich fand es ein bisschen seltsam, denn ich denke, je mehr Leistung ein Team zu Beginn bringen kann, wenn wir zu Beginn etwas bringen können, dann tun wir das auch. Und es ist besser, zwei Zehntel für fünf Rennen zu haben als zwei Zehntel für die letzten beiden.“
Zugleich relativierte er den Eindruck einer permanenten Großoffensive. „Aber manchmal ist es eben schwierig, Leistung zu finden, manchmal etwas weniger. Manchmal hat man vielleicht das Gefühl, dass wir ein großes Upgrade bringen, aber das ist nur eine Modifikation von ein paar Teilen, mehr nicht“, sagte Vasseur.
Gerade dieser Punkt macht den Abstand zum Mittelfeld sichtbar. Williams-Teamchef James Vowles erklärte offen, dass sein Team Ferraris Rhythmus strukturell nicht nachbilden könne. „Selbst wenn ich alles pünktlich und einsatzbereit hätte, ist unser Effizienzniveau nicht auf dem Stand eines Formel-1-Teams, das seit zehn Jahren eine etablierte Arbeitsweise hat“, sagte er. Williams habe lange nicht über ein externes Lieferantennetzwerk auf dem nötigen Niveau verfügt, „weil fundamental einfach das Geld fehlte, um sie zu bezahlen“.
Vowles beschrieb den Rückstand nicht als reines Budgetproblem, sondern als Folge gewachsener Prozesse. Mercedes habe „über zwölf Jahre hinweg eine Beziehung aufgebaut, um die besten Lieferanten zu haben“, sagte er. Williams versuche dagegen in zwei Jahren aufzubauen, was andere in zehn Jahren geschaffen hätten. „Das passiert nicht von heute auf morgen.“
Der Preis dafür sei ein Effizienzverlust, erklärte Vowles. „Das bedeutet, dass es einen Effizienzverlust gibt, und das kann entweder Zeit oder Geld sein. Man kann sich aussuchen, an welchem dieser beiden Hebel man ziehen möchte, oder ob man an beiden ziehen will.“ Deshalb gelte für die hinteren Reihen des Feldes grundsätzlich: „Es wird mehr Geld kosten und mehr Zeit in Anspruch nehmen, um Teile zu produzieren.“
Auch Aston Martin sieht Ferraris Frequenz nicht als etwas, das man kurzfristig einfach kopieren kann. Mike Krack, leitender Ingenieur an der Rennstrecke bei Aston Martin, verwies darauf, dass solche Update-Zyklen das Resultat langfristiger Vorbereitung sind. „Das hängt vom Plan ab“, sagte er. „Man kann nicht sagen: ‚Ich war in Österreich schlecht und habe in der Woche darauf in Silverstone ein Upgrade.‘ Das folgt alles einem Plan, dessen Erstellung viel Zeit in Anspruch genommen hat, bei dem man alles einkalkuliert - Logistik, Produktion, die technischen Besonderheiten der Rennstrecke und all das. Jedes Team hat also seinen Plan und arbeitet innerhalb seiner Rahmenbedingungen.“
Damit wird Ferraris Erfolgsserie nach dem Neustart 2026 nicht nur zur sportlichen Geschichte, sondern auch zum Maßstab dafür, welche Teams ihre Infrastruktur schon in Performance umsetzen können und welche erst noch die Grundlagen schaffen müssen, um im Entwicklungsrennen überhaupt mithalten zu können.
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