© Liauzh

Ferrari hofft in Silverstone auf den SF-26-Reset

Ferrari reist mit vorsichtigem Optimismus zum Grand Prix von Großbritannien, weil Österreich die Schwächen des SF-26 schonungslos offengelegt hat, Silverstone mit seinem anderen Anforderungsprofil aber die Chance bietet, wieder näher an die Spitze und in den Kampf um Podestplätze heranzurücken.

Der Kern der Hoffnung liegt darin, dass Spielberg bei Ferrari eher als Warnsignal und Sonderfall gelesen wird als als endgültiges Urteil. Auf dem Red Bull Ring brachte die Scuderia eine überarbeitete Power Unit mit, inklusive der ersten durch die FIA-Zugeständnisse im Rahmen von ADUO ermöglichten Entwicklungsstufe. Ausgerechnet auf einer Strecke, auf der Motorleistung besonders wichtig ist, blieb der erhoffte Fortschritt jedoch weitgehend aus. Ein Bericht verweist sogar darauf, dass FIA-Analysen Ferrari im Motorenvergleich weiter etwa vier Prozent hinter der Spitze sehen.

Das wurde im Rennen deutlicher als im Qualifying. Ferraris starke Runde am Samstag wurde vor allem einer extrem aggressiven Abstimmung zugeschrieben, die auf einer Strecke mit Fokus auf Topspeed und Beschleunigung kurzfristig half. Über die Distanz kehrte sich dieser Vorteil aber gegen das Team. Der Reifenverschleiß wurde zum Hauptproblem, besonders bei Lewis Hamilton, der schon im ersten Stint rasch Grip verlor und früher als geplant an die Box musste. Der Undercut brachte nichts, weil das nötige Tempo fehlte, und auch danach fand Ferrari keinen Weg zurück ins Rennen.

Gerade deshalb wertet Ferrari Spielberg nicht als Beleg für ein grundsätzlich anderes Auto. Abgesehen von der aktualisierten Power Unit und kleineren Änderungen war der SF-26 weitgehend derselbe Wagen, der in Barcelona deutlich konkurrenzfähiger wirkte. In Österreich kamen stattdessen Bedingungen zusammen, die für Ferrari zum perfekten Sturm wurden: Asphalttemperaturen von fast 53 Grad, kaum sichtbarer Gewinn durch die Motorenentwicklung und eine Abstimmung, die die Hinterachse und damit die Reifen übermäßig belastete.

Silverstone verspricht nun ein aussagekräftigeres Bild. Dort zählt nicht nur Motorleistung, sondern ebenso die Stabilität in schnellen Richtungswechseln und eine ausgewogene Aerodynamik. Genau in diesen Bereichen hatte Ferrari in dieser Saison, gerade in Barcelona, einen stärkeren Eindruck hinterlassen. Deshalb geht das Team diesmal nicht nur mit dem Ziel der Schadensbegrenzung ins Wochenende.

Dazu soll auch ein größeres Technikpaket beitragen. Für Silverstone werden ein tiefgreifend überarbeiteter "Macarena"-Heckflügel, ein neuer Low-Drag-Diffusor und möglicherweise ein modifiziertes Abgassystem erwartet. Das Ziel ist klar: mehr aerodynamische Effizienz, stabilerer Luftstrom und ein besser ausgeschöpftes Gesamtpotenzial der Power Unit.

Für Ferrari ist Silverstone damit mehr als nur die nächste Station im Kalender. Gelingt es, die Stärken des SF-26 bei Chassis und Aerodynamik wieder freizulegen, kann sich die Scuderia wieder in den Kampf an der Spitze einschalten. Gelingt das nicht, droht der Abstand nach vorn weiter zu wachsen.