Oliver Bearman hat Ferrari nach Ansicht von Günther Steiner bereits vor eine strategische Entscheidung gestellt: Der frühere Haas-Teamchef glaubt, dass der 21-Jährige bereit für ein Topteam ist, während ein möglicher Aufstieg vor allem davon abhängt, wie lange Lewis Hamilton noch bei der Scuderia bleibt.
Steiner sagte im Gespräch mit Casino.org, Bearman sei bereit für den nächsten Schritt. „Ich denke, Oliver ist jetzt bereit, zu einem Team zu gehen, bei dem er Rennen gewinnen oder zumindest um Podestplätze kämpfen kann“, sagte der ehemalige Haas-Teamchef. Zugleich bremste er die Erwartungen: „Er ist aber noch sehr jung, und das dürfen wir nicht vergessen. Deshalb wird er Geduld brauchen.“
Bearmans Start in die Saison 2026 hat diese Debatte beschleunigt. Der Haas-Pilot hat nach vier Rennen 17 Punkte gesammelt und liegt damit auf Rang acht der Fahrerwertung. Zu seinen auffälligsten Ergebnissen zählen Platz sieben in Melbourne und Rang fünf beim Grand Prix von China, wo er laut den vorliegenden Berichten mit Autos aus der Spitzengruppe kämpfte und ein reifes Rennverständnis zeigte.
Genau darin liegt für Ferrari das Risiko. Steiner geht davon aus, dass Bearmans Ferrari-gebundene Vereinbarung Klauseln enthält, die ihm einen vorzeitigen Wechsel von Haas erlauben könnten, falls sich ein Spitzenplatz öffnet. „Er hat wahrscheinlich einige Klauseln in seinem Vertrag mit Ferrari, wonach er Haas verlassen und zu einem der führenden Teams gehen kann, falls ein Angebot kommt, denn das ist sein nächster Schritt“, sagte Steiner.
Damit wird das Zeitfenster in Maranello zum entscheidenden Faktor. Ferrari ist mit Hamilton und Charles Leclerc aktuell besetzt, und aus den vorliegenden Berichten geht hervor, dass Hamiltons Vertrag als mehrjähriges Abkommen gilt, das mindestens bis Ende 2026 oder sogar 2027 reichen könnte. Steiner formulierte es entsprechend knapp: Es hänge davon ab, „wie lange Lewis bleibt“.
Dass Ferrari die Entscheidung nicht endlos vertagen kann, unterstrich auch David Coulthard, 13-maliger Grand-Prix-Sieger, im Podcast Up To Speed. „Die Frage ist nicht, ob sie ihn befördern, sondern wann“, sagte Coulthard über Bearman. Er warnte zugleich vor dem Konkurrenzdruck im Fahrermarkt: Wenn Ferrari zu lange warte, könne Bearman auch für andere Topteams attraktiv werden, „ob Red Bull, Mercedes, McLaren oder irgendjemand sonst“.
Genau das macht Bearmans Saisonbeginn so relevant. Ferrari verfügt offenbar über einen eigenen Nachwuchsfahrer, der sich mit Haas bereits in eine Position gefahren hat, in der nicht nur seine Entwicklung zählt, sondern auch die Gefahr, ihn an ein anderes Spitzenteam zu verlieren, wenn sich in Maranello kein Platz rechtzeitig öffnet.
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