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Colton Herta enthüllt geplatzten AlphaTauri-Deal

Colton Herta hat offengelegt, dass sein geplatzter Formel-1-Wechsel zu AlphaTauri für 2023 deutlich weiter war als bislang bekannt: Der US-Amerikaner hatte nach eigener Aussage bereits einen Vertrag auf dem Tisch, konnte ihn aber wegen der fehlenden FIA-Superlizenz nicht unterschreiben.

Im Beyond the Grid-Podcast sagte Herta, es habe eine „sehr reale Möglichkeit“ gegeben, für AlphaTauri zu fahren. „Ich hatte einen Vertrag von ihnen auf dem Tisch, konnte aber einfach nicht unterschreiben, weil ich keine Superlizenz hatte“, sagte er. Entscheidend war, dass Herta nur 32 statt der erforderlichen 40 Punkte besaß. Red Bull versuchte deshalb, eine Ausnahmegenehmigung bei der FIA zu erwirken, scheiterte damit aber.

Der Platz bei AlphaTauri war frei geworden, nachdem Pierre Gasly zu Alpine gewechselt war. Herta galt als möglicher Nachfolger, doch die Gespräche wurden von der offenen Superlizenz-Frage ausgebremst. Gerade diese Unsicherheit machte die Situation für ihn so schwer greifbar, obwohl der Deal laut Herta zeitweise sehr nah schien.

Besonders prägend waren dabei die täglichen Gespräche mit Helmut Marko. Herta sagte, er habe die direkte Art des damaligen Red-Bull-Beraters geschätzt, auch wenn sie für einen Fahrer nicht immer angenehm sei. Marko habe ihm die Lage ohne Umschweife geschildert, mit Chancen, die sich ständig verschoben: an einem Tag vielleicht 80 Prozent, am nächsten nur noch 40, dann wieder 60.

Diese Schwankungen machten die Phase laut Herta zu einer zermürbenden Hängepartie. Er beschrieb die Wochen als „sehr seltsam“ und sagte, er habe „von Tag zu Tag“ gelebt. Selbst Berichte von außen hätten ihn zeitweise glauben lassen, dass der Wechsel doch noch zustande kommen könnte, nur damit Marko ihn wieder bremste: „Sei dir nicht zu sicher, aber vielleicht kann etwas passieren.“

Irgendwann lief Herta die Zeit davon. Weil keine Entscheidung über die Ausnahmegenehmigung fiel und er nicht länger warten konnte, unterschrieb er stattdessen erneut in der IndyCar-Serie. Michael Andretti und Dan Towriss seien dabei „sehr großzügig“ gewesen, ihn zurückzuholen. Im Rückblick sei das die richtige Entscheidung gewesen, sagte Herta, weil er ohne diesen Schritt am Ende womöglich ohne Cockpit dagestanden hätte. „Ich hätte weder einen Formel-1-Sitz noch einen IndyCar-Sitz gehabt.“

Trotz der Enttäuschung blickt Herta nicht nur negativ auf die gescheiterten Verhandlungen zurück. Er sagte, er sei vielen Beteiligten aus dieser Zeit dankbar, auch für die Arbeit im Simulator und für die Hilfe, die ihm bei der Orientierung Richtung Formel 1 gegeben wurde. Gerade deshalb zeigt seine Schilderung vor allem eines: Der AlphaTauri-Plan scheiterte nicht an fehlendem Interesse, sondern einzig daran, dass Herta die Superlizenz nicht bekam.