Audi und Cadillac haben beim Grand Prix von Monaco 2026 ihre neuen Hospitality-Einheiten vorgestellt und den ersten Europa-Auftritt der Saison genutzt, um zu zeigen, dass ihre Formel-1-Projekte längst wie die großer Werksteams auftreten wollen.
Die Wahl des Schauplatzs war dabei kein Zufall. Monaco gilt mit seiner Dichte an Journalisten, Partnern und VIP-Gästen als besonders wertvolle Bühne, und genau dort wollten beide Neueinsteiger mehr sein als nur neue Namen auf der Startliste. Die Präsentation ihrer Motorhomes sollte sichtbar machen, dass sich beide Programme dauerhaft im Formel-1-Umfeld verankern wollen.
Besonders auffällig ist die neue Audi-Anlage. Der dreistöckige, modulare Bau besteht aus 40 Containerelementen, bietet 600 Quadratmeter Nutzfläche und bringt rund 260 Tonnen auf die Waage. Dazu kommen eine 45 Quadratmeter große Glasfassade, rund sieben Kilometer Elektroleitungen, zwei Kilometer Glasfaserverbindungen und etwa 270 Meter Klimaleitungen. Audi beschreibt die neue Europa-Hospitality als festen Treffpunkt des Teams an den Rennwochenenden auf dem Kontinent.
Stefano Battiston, Chief Brand and Commercial Officer des F1-Teams, sagte zur Ausrichtung des Projekts: „Eine unverwechselbare und einheitliche Erfahrung für alle, die mit uns in Berührung kommen, hat für uns höchste Priorität.“ Entsprechend soll bei Audi Auto, Garage, Hospitality und Merchandise eine gemeinsame Designidentität bilden.
Cadillac setzt in Monaco ebenfalls auf Größe und Signalwirkung. Die neue Struktur umfasst drei Etagen und insgesamt 700 Quadratmeter. Für das Team ist der Auftritt auch deshalb besonders wichtig, weil Monaco sein erstes Rennwochenende auf europäischem Boden seit dem Einstieg in die Formel 1 ist. In diesem Umfeld wird die neue Hospitality zu einem Instrument, um die Marke vor einem europäischen Publikum schneller zu etablieren.
Der Auftritt beider Teams zeigt auch, wie sehr sich Hospitality in der Formel 1 verändert hat. Solche Großbauten sind längst nicht nur Funktionsräume für den Rennbetrieb. Sie nehmen immer mehr Platz im Fahrerlager ein, werden nur bei neun großen Europa-Grands-Prix eingesetzt und brauchen mehrere Trailer sowie mindestens zwei bis drei Tage Aufbauzeit. Ihr Zweck ist stark auf Vermarktung ausgerichtet, auch wenn sie in den Teamalltag eingebunden sind.
Gerade deshalb ist der Schritt in Monaco mehr als eine Designpremiere. Weil diese Strukturen nicht unter die Budgetobergrenze fallen, sind sie für neue Herstellerteams eine direkte Möglichkeit, Präsenz, Markenstärke und Ambition zu demonstrieren. Für Cadillac ist es ein Image-Schub an einem der sichtbarsten Orte des Kalenders, für Audi die sichtbare Verlängerung eines Projekts, das sich auch abseits der Strecke wie ein etabliertes Formel-1-Werksteam positionieren will.
© Jonathan Borba