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Audi erklärt schwierigen F1-Start mit Langfristplan

Audi wertet die ersten neun Rennen seiner ersten Formel-1-Saison als Werksteam nicht an den Ergebnissen allein, sondern an den Fortschritten beim Aufbau des Projekts aus, obwohl der Rennstall mit nur sechs Punkten auf Rang neun der Konstrukteurswertung liegt und wiederholt von Ausfällen zurückgeworfen wurde.

Projektchef Mattia Binotto macht klar, dass der Maßstab intern ein anderer ist. Audi konzentriere sich auf „den nachhaltigen Aufbau aller wichtigen Strukturen“ und nicht auf einzelne Punkteergebnisse. „Wir wissen, dass es Zeit braucht, um ein solides Fundament aufzubauen“, sagte Binotto. Für ihn geht es dabei um weit mehr als reine Streckenleistung, sondern um „die Größe des Teams, die Fähigkeiten, die Kompetenz und die Infrastruktur“. Erst wenn diese Bereiche gewachsen seien, könne Audi dauerhaft um Spitzenpositionen kämpfen.

Die schwierige Außendarstellung bleibt dennoch offensichtlich. Nach neun Rennen stammen alle sechs Punkte von Gabriel Bortoleto, während Nico Hülkenberg noch ohne Zähler ist und bereits vier Ausfälle hinnehmen musste. Trotzdem fiel sein Zwischenfazit im Exklusivinterview mit RacingNews365 erstaunlich nüchtern aus: „Ich denke, die Saison läuft okay.“ Der Start sei hart gewesen, sagte er, aber es sei „immer klar“ gewesen, dass es gerade am Anfang Gegenwind geben würde.

Genau dieser Anfang wurde vor allem durch Zuverlässigkeitsprobleme geprägt. Hülkenberg verwies darauf, dass Audi wesentliche Systeme erstmals komplett selbst entwickelt hat. „Vor allem auf der Seite von Motor, Getriebe und Hydraulik haben wir alles zum ersten Mal von Grund auf selbst gemacht“, sagte er. Dazu kamen konkrete Rückschläge: ein Feuer auf dem Weg in die Startaufstellung für den Sprint in Miami, ein Getriebeschaden in Silverstone und der Zwischenfall in Barcelona, bei dem ein Kieselstein den Not-Aus-Schalter traf und das Auto komplett abschaltete.

Hülkenberg sieht darin aber nicht nur Rückschläge, sondern auch den Kern des Lernprozesses. Trotz der mageren Ausbeute sei „viel Fortschritt“ erzielt worden, „der sich in der Meisterschaft noch nicht wirklich widerspiegelt“. Mit Blick auf den Vergleich zwischen den Wintertests in Bahrain, Barcelona und dem aktuellen Stand sagte er, das Auto habe sich „vor allem auf der Seite der Power Unit“ stark weiterentwickelt.

Ein sichtbarer Schritt kam vor dem Grand Prix von Spanien in Barcelona. Audi brachte dort sein erstes Motor-Update der Saison, mit neuen Verbrennungsmotoren und Turboladern an beiden Autos. Die Hardware-Anpassungen zielten in erster Linie auf eine bessere Fahrbarkeit und nicht auf einen großen Leistungssprung. Hülkenberg bezeichnete das Update als „notwendig“, aber auch als „positiv“. Audi habe bereits „ziemlich gute Fortschritte“ gemacht, sagte er, auch wenn „noch mehr Arbeit zu tun“ sei.

Der Hintergrund macht Binottos Geduldsappell nachvollziehbar. Audi versucht nicht nur, ein Werksteam aufzubauen, sondern auch unter dem Reglement 2026 eine eigene Antriebseinheit zu entwickeln. Die Formel 1 setzt dabei auf einen 1,6-Liter-Turbo-V6 in Kombination mit einem deutlich stärkeren Elektromotor, was zu einer nahezu ausgeglichenen Verteilung zwischen Verbrenner- und Elektroanteil führt. Gegen Hersteller, die in der Turbo-Hybrid-Ära seit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung gesammelt haben, ist das ein struktureller Nachteil, den sich nicht in wenigen Monaten aufholen lässt.

Binotto formuliert den Anspruch deshalb bewusst langfristig. „Es braucht Geduld und den Fokus auf die mittlere und lange Frist. Genau dort liegen unsere Ambitionen und genau dafür bauen wir dieses Projekt auf“, sagte er. Er widersprach damit auch nicht grundsätzlich früheren Einschätzungen, wonach ein komplett neues Werksteam rund fünf Jahre brauchen kann, um sich dauerhaft an der Spitze zu etablieren.