Aston Martin hat den Grand Prix von Miami trotz Platz 15 für Fernando Alonso als Fortschritt gewertet, weil 2026 erstmals beide Autos ins Ziel kamen und das drängende Vibrationsproblem des Honda-Antriebs deutlich entschärft wurde. Sportlich blieb das Team aber weiter klar zurück, denn an der reinen Performance änderte sich kaum etwas.
Fernando Alonso, Aston-Martin-Pilot, nannte es nach dem Rennen „gut, dass zum ersten Mal in dieser Saison beide Autos die Zielflagge gesehen haben“. Das Wochenende habe dem Team erlaubt, vor Kanada mehr Daten zu sammeln und auszuwerten. Alonso sprach von „klaren Fortschritten bei der Zuverlässigkeit“, schob aber sofort die größere Einschränkung hinterher: „Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen.“ Der Fokus richte sich nun auf die Leistung, und das Team müsse „weiterarbeiten und geduldig bleiben“.
Genau darin lag der Widerspruch dieses Wochenendes. Aston Martin und Honda hatten die Pause vor Miami genutzt, um die seit Saisonbeginn massiven Vibrationen anzugehen. Mike Krack, Teamchef von Aston Martin, sagte, der Schwerpunkt habe darin gelegen, „mit Honda an den Vibrationen der Power Unit im Chassis zu arbeiten“. Diese Arbeit habe sich ausgezahlt, man habe „an diesem Wochenende einen wichtigen Schritt bei der Zuverlässigkeit nach vorn gemacht“. Krack machte aber auch klar, dass damit nur das erste Problem eingegrenzt ist: „Es gibt klar noch mehr, was wir gemeinsam tun müssen, um unser Tempo zu verbessern und das Potenzial dieses Pakets freizulegen.“
Alonso hatte schon am Samstag betont, dass die Erleichterung über die Fortschritte bei den Vibrationen groß sei. Nach dem Qualifying sagte er, die Probleme an der Power Unit hätten sich verbessert, was ein zentrales Thema der Rennpause gewesen sei. Später formulierte er es noch deutlicher: Diesen Punkt könne man abhaken, das Auto verhalte sich „jetzt normal“. Damit war eines der größten Hindernisse der ersten Saisonphase entschärft.
Ganz sauber verlief das Wochenende trotzdem nicht. Alonso berichtete nach dem Qualifying von neuen Getriebeproblemen, die ihn stark eingeschränkt hätten. Das Auto sei „unmöglich zu fahren“ gewesen, mit unregelmäßigen Rückschaltvorgängen und fehlender Synchronisation beim Anbremsen. Auch nach dem Rennen sagte er, dass ihn ein merkwürdiges Problem an Getriebe oder Motor das gesamte Wochenende begleitet habe und vor Kanada gelöst werden müsse.
Dass die Vibrationen weitgehend verschwunden sind, machte Aston Martin nicht automatisch konkurrenzfähig. Alonso hatte bereits am Freitag und Samstag mehrfach erklärt, dass das Team seit Japan vor allem an Zuverlässigkeit gearbeitet habe, während die Konkurrenz ihre Autos weiterentwickelte. „Sie haben das Auto seit Japan verbessert, und wir haben nur die Zuverlässigkeit verbessert“, sagte er. Deshalb sei man in der Performance weiter zurückgefallen. Seine Lagebeschreibung blieb in Miami konstant: „Platz 17 ist eine Sekunde vor uns.“ Große Erwartungen für Kanada leitete er daraus nicht ab, zumal er größere Fortschritte erst nach dem Sommer in Aussicht stellte.
Lance Stroll, Aston-Martin-Pilot, zog nach dem Rennen die gleiche Linie. Es sei „das erste Mal in dieser Saison, dass beide Autos ein Rennen beendet haben“, und das sei das Positive aus Miami. Das Team habe mehr Kilometer gesammelt und „an diesem Wochenende weniger Vibrationen“ erlebt. Gleichzeitig räumte Stroll ein, dass die Reifenstrategie im Rückblick nicht funktioniert habe. Der Schritt bei der Zuverlässigkeit sei wichtig gewesen, jetzt müsse Aston Martin aber die „leistungsbezogenen Probleme“ angehen, denn es gebe „viele Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen“.
So bleibt Miami für Aston Martin vor allem ein technischer Teilerfolg. Die Basis wirkt stabiler, Honda und das Team haben ein zentrales Problem entschärft, und beide Autos kamen erstmals durch. Für die sportliche Lage bedeutet das vorerst wenig, weil der Abstand zum Rest des Feldes weiter so groß ist, dass der nächste Entwicklungsschritt nicht bei der Haltbarkeit, sondern bei der Pace liegen muss.
© Jonathan Borba