Kimi Antonelli hat Vergleiche mit Ayrton Senna vor dem Barcelona-Wochenende klar zurückgewiesen, obwohl der Mercedes-Pilot nach fünf Siegen in den ersten sieben Rennen die Formel-1-WM 2026 anführt.
Der Italiener sagte, er habe über diese Vergleiche nicht gelesen, möge sie aber ohnehin nicht. „Ich mag den Vergleich nicht wirklich, weil ich nicht das Gefühl habe, mit jemandem verglichen werden zu sollten, der die Geschichte dieses Sports geschrieben hat, und ich habe nicht einmal einen kleinen Teil von dem erreicht, was er geschafft hat“, sagte Kimi Antonelli, Mercedes-Fahrer, vor dem Spanien-Wochenende. Senna sei sein „Idol“ und eine Inspiration, aber „es ist nicht wirklich fair, mit ihm verglichen zu werden, besonders in dieser Phase meiner Karriere“. Es sei „erst der Anfang“, sagte Antonelli, und es gebe „noch so viel zu erreichen, so viel zu tun und so viel zu verbessern“. Er fühle sich „noch sehr weit von seinem Niveau entfernt“.
Dass die Debatte überhaupt Fahrt aufgenommen hat, liegt an Antonellis Form in seiner zweiten Saison. Er gewann fünf Grands Prix in Serie und führt die Fahrerwertung trotz seines Ausfalls in Barcelona weiter mit 41 Punkten Vorsprung auf Lewis Hamilton an, den Fahrer, dessen Cockpit er bei Mercedes übernommen hat.
Die Entwicklung kommt für Mercedes nicht aus dem Nichts. Teamchef Toto Wolff erklärte, Antonellis deutlich konstantere Leistungen 2026 seien eng mit den Erfahrungen aus einem schwierigen Rookie-Jahr verbunden. 2025 sei der damals 18-Jährige in ein Umfeld gekommen, das Wolff als „dieses Monster namens Formel 1“ beschrieb, unter ständiger Beobachtung und in einem Team, das Rennen gewinnen kann. Als der Kalender nach Europa zurückkehrte, sei die „Lawine an Interesse und Anfragen“ für ihn „einfach zu viel“ gewesen.
Wolff sagte, die Lage sei nun „völlig anders“, weil Antonelli inzwischen wisse, wie das System funktioniere, was von ihm verlangt werde und was er brauche, um seine beste Leistung abzurufen. Mercedes versuche deshalb, ihn bei Medien- und Marketingterminen so gut wie möglich abzuschirmen, um ihn zu schützen.
Auch von den Rivalen kommt Anerkennung, ohne dass sie die Senna-Linie mitgehen. Max Verstappen bezeichnete Antonellis Niveau in diesem Alter als „sehr beeindruckend“ und hob besonders dessen Auftritt in Monaco hervor. Gerade im Qualifying sei das „ziemlich hart, besonders wenn der Druck da ist, solche Runden abzuliefern“, sagte der viermalige Weltmeister. Verstappen ergänzte, es habe wenig Sinn, ihn mit Größen der Vergangenheit zu vergleichen. „Es ist wichtig, einfach man selbst zu sein und nicht auf andere zu schauen oder zu versuchen, wie jemand anderes zu sein“, sagte er. „Es ist auch sehr wichtig, sein eigener Star zu sein.“
Carlos Sainz sieht in Antonellis Form ebenfalls mehr als nur einen starken Saisonstart. Der Williams-Fahrer sagte, Antonelli fahre „großartig“ und habe bislang „ein unglaubliches Jahr“ abgeliefert, weil er sein Auto und seine Chancen auf Rennsiege maximal ausnutze. Zugleich warnte Sainz, dass ein Titelkampf erst am „crunch point“ seine eigene Schärfe bekomme, wenn ein Fahrer spüre, dass die Meisterschaft ihm gehören könne oder eben nicht. „Dann wird es ernst“, sagte er. Trotzdem sei er „zu 100 Prozent“ überzeugt, dass Antonelli es schaffen könne, wenn er dieses Niveau hält.
Genau darin liegt nun die entscheidende Verschiebung in Antonellis Geschichte: Nicht der Vergleich mit Senna bestimmt seine Saison, sondern ob er die Konstanz, die er sich nach einem schwierigen ersten Jahr erarbeitet hat, über den Rest eines echten Titelkampfs konservieren kann.
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