Kimi Antonelli hat mit seinem Sieg beim Großen Preis von Kanada den vierten Grand-Prix-Erfolg in Serie geholt, seinen Vorsprung in der Formel-1-WM 2026 auf 43 Punkte vor Mercedes-Teamkollege George Russell ausgebaut und damit eine neue Frage in den Mittelpunkt gerückt: Kann der Teenager einen langen Titelkampf durchstehen?
Seit seinem ersten Formel-1-Sieg in China hat Antonelli noch drei weitere Rennen nacheinander gewonnen. Kanada war dabei mehr als nur der nächste Erfolg in einer starken Phase. Das Rennen lieferte den bislang deutlichsten Hinweis darauf, dass sich bei Mercedes ein echter interner WM-Kampf entwickeln könnte, nachdem Antonelli seinen Teamkollegen Russell über weite Strecken stark unter Druck setzte und erneut schlug.
Lewis Hamilton, siebenmaliger Weltmeister, machte nach dem Rennen klar, dass er Antonelli nicht noch weiter helfen will. „Du vergisst, glaube ich, dass wir Konkurrenten sind“, sagte Hamilton unter anderem gegenüber RacingNews365 und lachte. Er ergänzte, er werde ihm „wirklich keine weiteren Tipps“ geben, weil der Italiener „schon jetzt Top-Arbeit“ abliefere.
Hamiltons auffälligste Einschätzung bezog sich aber nicht auf Antonellis Speed, sondern auf dessen Umfeld bei Mercedes. Mit Blick auf seinen eigenen Titelkampf als Rookie 2007 sagte er, die Situation sei damals anders gewesen. Er sei mit 22 zwar etwas älter gewesen als Antonelli heute, habe aber nicht dasselbe Sicherheitsnetz gehabt. Toto Wolff habe „großartige Arbeit geleistet, dich mit der richtigen Unterstützung zu umgeben“, sagte Hamilton. Dieses Gefühl habe er in seinem ersten Jahr so „absolut nicht“ gehabt. Das Team sei zwar nett gewesen, aber es habe an den richtigen Elementen gefehlt, um ihn zu stützen, stabil zu halten und zu führen. Gerade im ersten Jahr sei das „ziemlich intensiv“ gewesen.
Max Verstappen setzte einen anderen Akzent, kam aber zu einer ähnlichen Kernaussage. Der Weltmeister lobte Antonellis Form und sagte, er mache es „offensichtlich fantastisch“. Zugleich erinnerte Verstappen daran, dass eine Meisterschaft nicht in einem kurzen Lauf entschieden werde. „Eine Meisterschaft dauert lange“, sagte er. Entscheidend sei, konstant abzuliefern und keine Fehler zu machen.
Verstappen brach die Aufgabe auf die simpelste Formel herunter: Antonelli müsse an jedem Wochenende versuchen, „das Maximum herauszuholen und besser zu sein als dein Teamkollege“. Dann, so Verstappen, „hat er eine gute Chance“. Gleichzeitig betonte er, dass noch ein langer Weg bevorstehe, auch wenn das, was Antonelli derzeit zeige, „supergut“ funktioniere.
Gerade diese Reaktionen von Hamilton und Verstappen zeigen, wie sehr sich Antonellis Saison inzwischen verändert hat. Aus einer starken Siegesserie ist bei Mercedes eine ernsthafte WM-Geschichte geworden, in der nicht mehr nur sein Talent bewertet wird, sondern seine Fähigkeit, den teaminternen Druck gegen Russell über eine ganze Saison aufrechtzuerhalten.
© Takayuki Suzuki