Alexander Albon ist im einzigen freien Training zum Grand Prix von Kanada nach einer Kollision mit einem Marmot schwer verunfallt und hat Williams damit auf einem Sprint-Wochenende in eine heikle Lage vor dem Sprint-Qualifying gebracht.
Der Williams-Pilot verlor am Ausgang des Turn-6/7-Abschnitts auf dem Circuit Gilles Villeneuve die Kontrolle über seinen FW48, nachdem ein Marmot die Strecke kreuzte. Der Einschlag in die Mauer war heftig und löste mit noch mehr als 35 verbleibenden Minuten die zweite rote Flagge der Session aus. Onboard-Aufnahmen, die in sozialen Medien kursierten, deuteten darauf hin, dass Albon noch versuchte auszuweichen, der Kontakt mit dem Tier das Auto aber aus der Balance brachte und direkt in die Begrenzung schickte.
Für Williams war der unmittelbare Schaden beträchtlich. Berichten zufolge wurden Front und Heck stark beschädigt, dazu kam erheblicher Schaden an der linken Seite und weiterer Karosserie. Das Medical Car wurde nach dem Einschlag zwar automatisch alarmiert, Albon kletterte aber schnell aus dem Auto und galt zunächst als unverletzt. Er konnte anschließend selbst zur Box zurückkehren und mit dem Team besprechen, was passiert war.
Der Vorfall bekam auch in der TV-Übertragung eine besondere Behandlung. Zeitlupen-Wiederholungen wurden zunächst nicht gezeigt. David Croft von Sky Sports F1 sagte: „Wir sehen möglicherweise keine Wiederholung des Unfalls, weil ein Marmot beteiligt gewesen sein könnte und Alex wohl einem der lokalen Bewohner ausweichen wollte.“ Später wurde aus mehreren Berichten klar, dass das Tier den Unfall nicht überlebte.
Sportlich wog der Einschlag besonders schwer, weil Montreal an diesem Wochenende im Sprint-Format fährt. Damit stand den Teams nur diese eine Trainingssession zur Verfügung, bevor es später bereits ins Sprint-Qualifying ging. Für Albon bedeutete der Crash nicht nur einen abrupten Trainingsabbruch, sondern auch einen massiven Verlust an Abstimmungsarbeit auf einer Strecke, auf der jede Runde vor dem Parc-fermé-ähnlichen Ablauf des Sprint-Wochenendes zählt.
Für die Mechaniker von Williams begann damit sofort ein Rennen gegen die Uhr. Das Auto musste nach dem heftigen Einschlag in kurzer Zeit umfangreich repariert werden, um Albon rechtzeitig wieder einsatzbereit zu bekommen. Gerade auf einem Wochenende mit nur einer Trainingsstunde verschärft ein solcher Zwischenfall die Lage, weil nicht nur Bauteile ersetzt werden müssen, sondern auch Daten und Streckenzeit fehlen, die sich vor dem Sprint-Qualifying nicht mehr zurückholen lassen.
Die Session war schon zuvor unterbrochen worden, als Liam Lawsons Racing Bulls auf der Strecke stehenblieb und die erste rote Flagge verursachte. Die FIA reagierte auf beide Unterbrechungen mit zusätzlicher Fahrzeit: vier Minuten nach Lawsons Ausfall und weitere 15 Minuten nach Albons Unfall. Das half dem restlichen Feld, etwas verlorene Vorbereitung zurückzugewinnen. Für Williams änderte es vor allem eines: Aus einem ohnehin knappen Freitag in Montreal wurde nach einem ungewöhnlichen Wildtier-Zwischenfall ein Reparatureinsatz unter maximalem Zeitdruck.
© Jonathan Borba