Günther Steiner, ehemaliger Haas-Teamchef, hat die FIA für die nachträgliche Rückgabe von Pierre Gaslys Podiumsplatz beim Grand Prix von Monaco scharf kritisiert und gewarnt, dass die Entscheidung ein Konsistenzproblem geschaffen habe, weil andere Fahrer ähnliche Boxengassen-Strafen bereits im Rennen verbüßt hatten.
Steiners zentraler Punkt ist die ungleiche Behandlung der betroffenen Fahrer. Während Gaslys Ergebnis nachträglich korrigiert wurde, hatten andere Piloten in Monaco ihre Strafen wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse schon während des Rennens abgesessen und haben laut Steiner „keine Möglichkeit“ mehr, den dadurch entstandenen Nachteil auszugleichen.
Im The Red Flags Podcast sagte Steiner: „Das Podium hätte nicht wiederhergestellt werden dürfen. Wenn man ihm den dritten Platz zurückgibt, müsste man auch die anderen Fälle korrigieren, und das ist nicht mehr möglich. In diesem Punkt war das in Monte Carlo ein komplettes Chaos.“
Gasly war in Monaco zunächst als Dritter ins Ziel gekommen, fiel nach einer Strafe für zu hohes Tempo in der Boxengasse aber auf Rang sieben zurück, weil die Sanktion nicht mehr im Rennen verbüßt wurde und stattdessen zur Endzeit addiert wurde. Alpine legte anschließend Einspruch ein. Die FIA akzeptierte diesen, nachdem das Team neue Beweise vorgelegt hatte, die den Sportkommissaren bei der ursprünglichen Entscheidung nach Angaben des Verbands nicht vorgelegen hatten. Dadurch bekam Gasly Platz drei zurück.
Steiner sieht den Ursprung der Kontroverse in fehlerhaften Grundlagen der ursprünglichen Bestrafung. Er sagte, entweder habe sich die Messlinie für die Geschwindigkeitskontrolle an der falschen Stelle befunden oder die Teams hätten dazu falsche Informationen erhalten. Trotzdem hält er die spätere Korrektur des Ergebnisses für falsch, weil sich der Schaden bei den übrigen betroffenen Fahrern nicht mehr in gleicher Weise beheben ließ.
„Es begann damit, dass die Messlinie an der falschen Stelle lag oder den Teams falsche Informationen gegeben wurden. Aber am Ende ist es offensichtlich die falsche Entscheidung, ihm das Podium zurückzugeben, denn alle anderen haben ihre Strafen erhalten, und diese können nicht mehr rückgängig gemacht werden“, sagte Steiner.
Damit verschiebt sich die Debatte aus Steiners Sicht von einem einzelnen Fehlurteil hin zu einer grundsätzlichen Frage der Sportgerichtsbarkeit in der Formel 1: Was hat Vorrang, die Korrektur eines offensichtlichen Fehlers oder die Gleichbehandlung aller Fahrer, wenn ein Teil der Sanktionen bereits vollstreckt wurde und sich nicht mehr zurückdrehen lässt?
© Jonathan Borba