Yannick Dainese, der 2013 an Michael Schumachers Rettung in Méribel beteiligt war, hat zwölf Jahre später erstmals geschildert, wie ungewöhnlich abgeschirmt der Einsatz ablief, nachdem der siebenfache Formel-1-Weltmeister bei einem Skiunfall schwer verletzt worden war.
Im Gespräch mit L’Équipe beschrieb Dainese den Moment, in dem ihm klar wurde, wen das Team bergen sollte. Ein Retter sei mit dem Notarzt in den Hubschrauber gesprungen und habe gerufen: „Wir holen Schumacher!“ Zunächst habe er an einen Scherz gedacht. Erst als der Kommandant anordnete, Mikrofone und GoPro-Kameras abzunehmen und Journalisten nicht mitfliegen zu lassen, habe er verstanden, dass es tatsächlich um Schumacher ging.
Dainese schilderte die Unfallstelle in Méribel als „völlig ungewöhnlich“ abgesichert. Es habe kaum Gespräche gegeben, weil jeder auf seine Aufgabe konzentriert gewesen sei. Zusammen mit einem Kollegen habe er Schumacher auf einer Vakuummatratze immobilisiert und nach Grenoble geflogen. Der Flug dauerte nach seiner Darstellung rund 25 Minuten, während das Ärzteteam an Bord den Zustand des Deutschen überwachte.
Dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Einsatz handelte, sei ihm trotz aller Routine bewusst gewesen. Yannick Dainese sagte L’Équipe, unterschwellig sei der Druck da gewesen, weil er gewusst habe, dass Schumacher „wie ein Gott verehrt“ werde. Für ihn sei er in diesem Moment aber vor allem „eine schwer verletzte Person“ gewesen.
L’Équipe berichtet, dass Schumacher am 29. Dezember 2013 nach dem Sturz in Méribel mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ins CHU Grenoble gebracht wurde. Sein Zustand sei dort als lebensbedrohlich eingestuft worden, mit Koma, intrakranieller Hypertonie, Hämatomen, Hirnkontusionen und einem diffusen Hirnödem.
Wie groß die Dimension des Falls tatsächlich war, habe Dainese erst einige Tage später bei einer Rückkehr nach Grenoble begriffen. Dort habe er so viele Busse, rote Fahnen und Menschen gesehen, dass das Krankenhaus für ihn „wie eine Formel-1-Strecke“ gewirkt habe. Gerade dieser Eindruck unterstreicht, wie schnell aus einem Rettungseinsatz ein Fall von weltweiter Aufmerksamkeit wurde und unter welchem außergewöhnlichen Druck die ersten Stunden rund um Schumacher standen.
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