Renault hat die Gespräche zur Zukunft von Otro Capitals 24-Prozent-Anteil am Alpine-Formel-1-Team vorerst gestoppt, weil die Verhandlungen nach Einschätzung von Konzernchef François Provost nicht vorankamen. Zugleich stellte Provost klar, dass sich an der Kontrolle über das Team nichts ändern werde und Renault langfristig in der Formel 1 bleiben wolle.
Provost sagte in Monaco, Renault sei mit dem Verlauf der Gespräche "nicht so zufrieden" gewesen, weil der "Fortschritt nicht gut" sei. "In diesem Stadium haben wir beschlossen zu stoppen, also gibt es keine weiteren Gespräche", sagte der Renault-Group-CEO. Das folgte auf den Rückzug von Mercedes aus Verhandlungen über den Erwerb von Otro Capitals Minderheitsbeteiligung an Alpine.
Damit wies Provost auch die Idee zurück, dass die aktuelle Hängepartie Renault sportlich oder strukturell aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Er sagte, es gebe derzeit "keine Gespräche mit Christian" Horner. Zugleich betonte er: "Wir prüfen die Optionen. Ich will, dass die Renault Group die Kontrolle über unser Team behält, wer auch immer der Nachfolger von Otro sein könnte." Mit dem Verweis auf Renaults 76-Prozent-Anteil legte er nach: "Wir werden die Kontrolle über unser Formel-1-Team behalten. Alpine ist ein unabhängiges Team, und wir beabsichtigen, die Kontrolle zu behalten."
Ein wesentlicher Grund für das Scheitern der jüngsten Gespräche scheint die Bewertung des Pakets gewesen zu sein. Alpine-Teamchef Flavio Briatore sagte in Monaco, die Verhandlungen mit Mercedes seien beendet worden, weil "der Preis zu hoch" gewesen sei. Berichten zufolge verlangte Otro 720 Millionen Dollar für seinen Anteil, mehr als das Dreifache dessen, was der Fonds 2023 bezahlt hatte. Über Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte Briatore, er sei "sehr fair" gewesen, fügte aber hinzu: "Ich glaube nicht, dass die Otro-Leute fair sind."
Dass Renault in dem Prozess eine zentrale Rolle spielt, hängt auch mit der Struktur des Deals zusammen. Laut in Großbritannien eingereichten Unternehmensunterlagen kann Otro seinen Anteil bis September 2026 nicht frei übertragen; zudem soll Renault bis dahin Zustimmungsrechte bei einer möglichen Transaktion haben.
Provost nutzte den Stillstand deshalb vor allem, um Renaults Linie zu schärfen. Er sagte, die Eigentumsfrage habe für das Team keine unmittelbaren Folgen, weil Renault die Kontrolle behalte. Gleichzeitig unterstrich er die strategische Bedeutung der Formel 1 für den Konzern. Auf die Frage nach einem möglichen Rückzug gab er eine klare Antwort: "Sicher nicht. Wir sind langfristig hier." In seinem RTBF-Interview formulierte er es noch deutlicher: "Wir werden sehr lange in der Formel 1 sein."
Diese Botschaft fällt in eine Phase, in der Alpine sich sportlich erholt hat. Nach dem letzten Platz in der Konstrukteurs-WM 2025 liegt das Team in dieser Saison aktuell auf Rang fünf. Für Renault ist die blockierte Anteilsfrage damit kein Signal des Rückzugs, sondern eher ein Testfall dafür, wie klar der Konzern seine Kontrolle und seinen langfristigen Kurs in der Formel 1 absichern will.
© Jonathan Borba