Max Verstappen sagt, dass die Vaterschaft seine Prioritäten außerhalb der Formel 1 verändert hat und er seine Tochter Lily bewusst aus dem Rampenlicht heraushalten will, damit sie später selbst über ihren Weg entscheiden kann.
Im Interview mit De Telegraaf machte Verstappen klar, dass er kein Vater sein will, der sein Kind in eine bestimmte Richtung drängt. „Für mich ist das Allerspichtigste: immer man selbst zu sein“, sagte er. Entsprechend solle Lily „komplett selbst entscheiden, was sie später gerne machen möchte oder nicht“.
Gerade deshalb hält Verstappen sie aktuell auch von der Öffentlichkeit und vom Formel-1-Umfeld fern. „Ich möchte sie jetzt nicht im Bild haben“, sagte er. Sie müsse später selbst entscheiden, ob sie das wolle oder nicht, „deshalb möchte ich sie aktuell nicht im Paddock haben“. Seine Gründe seien „rein rational und schützend“. Verstappen verwies dabei auf die Privatsphäre und darauf, dass „ein Baby oder kleines Kind ... ein sorgenfreies Leben führen“ sollte.
Diese Haltung wirkt sich bereits auf seinen Alltag rund um Rennwochenenden aus. Verstappen sagte, dass er erst am „Mittwochmorgen“ eingeflogen sei und direkt nach der Landung seine erste Verpflichtung gehabt habe. Früher wäre er nach eigener Aussage wahrscheinlich schon am Dienstag angereist. Nach Rennen fliege er zudem „so schnell wie möglich“ nach Hause. „Ich bin schon so viel weg, auch mit den anderen Rennen abseits der Formel 1“, sagte er. „Den Rest der Zeit versuche ich, so viel wie möglich zu Hause zu sein.“
Seine Sicht auf Distanz und Familie hängt auch mit den eigenen Erfahrungen aus der Kindheit zusammen. Als Sohn von Jos Verstappen erinnert er sich daran, wie schwer ihm dessen Abreisen zu Formel-1-Rennen fielen. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als mein Vater zu den Formel-1-Rennen aufgebrochen ist. Das fand ich auch nicht schön“, sagte er. Manchmal sei sein Vater sogar „heimlich ... durch die Hintertür“ gegangen, weil die Abschiede für beide Seiten so belastend gewesen seien.
Trotzdem lehnt Verstappen es nicht ab, Kinder an Sport heranzuführen. Er bezeichnete Bewegung als sinnvoll, „um gesund zu bleiben, und es hält dich von der Straße fern, man macht weniger dämliche Sachen“. Entscheidend sei für ihn aber, dass daraus kein Zwang werde. „Es gibt viele Eltern, die ihr Kind in eine bestimmte Richtung drängen wollen, zum Beispiel im Sport. Genau das sollte man nicht tun“, sagte er. Ebenso wichtig seien familiäre Werte. Man müsse „lieb zur Familie“ und „mitfühlend“ sein. Damit beschreibt Verstappen eine neue Balance, in der nicht mehr nur der Rennkalender den Takt vorgibt, sondern vor allem Privatsphäre, Zeit zu Hause und die Freiheit seiner Tochter.
© Petr Urbanek