Jos Verstappen hat die Kritik an den Formel-1-Regeln für 2026 weiter verschärft und erklärt, dass ihn die geplante Richtung der Serie beim Zuschauen teils so wenig fesselt, dass er den Fernseher ausschaltet.
Der Vater von Max Verstappen sagte im Gespräch mit RaceXpress, dass ihn die neue Fahrzeuggeneration mit ihrem starken Fokus auf Energiemanagement grundsätzlich nicht überzeuge. Der ehemalige Formel-1-Fahrer, der zwischen 1994 und 2003 auf 106 Grand-Prix-Starts kam, zog dabei sogar einen Vergleich zu GT3-Rennen. „Es ist verrückt zu sagen, dass GT3 ein besseres Rennen ist als die Formel 1. Früher war es andersherum“, sagte Verstappen. „All diese GT3-Jungs wollten unbedingt einmal erleben, wie es in der Formel 1 ist, aber heutzutage ist das schwer vorstellbar.“
Am schärfsten fiel sein Urteil über den Fahrcharakter der 2026er Autos aus. „Als Fahrer finde ich es auch weniger angenehm. Ab und zu schaue ich zu und schalte den Fernseher aus, weil ich weniger interessiert bin“, sagte Verstappen. Für ihn entfernt sich die Serie damit von ihrem eigenen Kern: „Es ist nicht die Formel 1, für die die Formel 1 steht. Der Fahrer ist stark auf das Auto angewiesen und kann als Fahrer nicht mehr den Unterschied machen. Das finde ich schade in der Formel 1.“
Seine Kritik zielte direkt auf die technischen Vorgaben. Gerade in schnellen Kurven müsse ein Fahrer eigentlich Zeit finden können, sagte Verstappen, verwies dabei auf den ersten Sektor in Japan und ergänzte: „Man muss spät bremsen, aber auch nicht zu spät. Doch in schnellen Kurven muss man wirklich den Unterschied machen können, wie im ersten Sektor in Japan. Das geht mit diesem Auto einfach nicht und schon gar nicht mit dieser Batterie, die man ständig wieder aufladen muss.“
Damit stützt Jos Verstappen die bereits seit Monaten offen vorgetragene Linie seines Sohnes. Max Verstappen hatte die 2026er Autos beim Vorsaisontest in Bahrain im Februar als „Formula E on steroids“ bezeichnet. Vor den inzwischen bestätigten Anpassungen begrüßte er zwar, dass überhaupt über Änderungen gesprochen werde, machte bei einer von Viaplay organisierten Veranstaltung aber klar, dass ihn kleinere Eingriffe nicht überzeugen. „Die Tatsache, dass wir darüber reden, ist bereits ein Schritt nach vorne“, sagte Max Verstappen. „Das Problem ist einfach, dass man diese Regeln etwas anpassen kann, aber grundsätzlich stimmt etwas nicht. Nicht jeder wird das öffentlich zugeben, aber es ist so.“
Die Debatte gewann zusätzliche Bedeutung, weil die FIA am Montag nach einem hochrangigen Treffen mit Stakeholdern, darunter Formula One Management, Teams sowie Motorenhersteller, eine Reihe von Änderungen an den 2026er Regeln bestätigte. Die Anpassungen betreffen vor allem Energiemanagement und Sicherheit und sollen ab dem nächsten Rennen in Miami am 3. Mai gelten.
Ob diese Korrekturen die größten Bedenken ausräumen, ist offen. Max Verstappen hat zuletzt zwar Befürchtungen relativiert, er könne der Formel 1 schon am Ende dieser Saison den Rücken kehren, zugleich aber deutlich gemacht, dass er die Grundrichtung des Sports für falsch hält. Er sagte, er versuche sich anzupassen, fügte jedoch hinzu: „Auch wenn ich in ein paar Jahren aufhören werde, möchte ich trotzdem, dass es ein anständiger Sport bleibt. Etwas muss sich ändern. In diesem Fall würde ich mich dafür entscheiden, die V10- oder V8-Motoren zurückzubringen.“
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