Miami könnte für Haas, Ferrari und die anderen Kundenteams genau am falschen Wochenende zum Prüfstand werden. Vor dem Formel-1-Sprint auf dem Miami International Autodrome steht eine mögliche kurzfristige Anpassung am Energiemanagement der Power Units im Raum, und Haas warnt, dass das einzige freie Training am Freitag damit zum größten Vorbereitungsproblem der Saison werden könnte.
Nach den laufenden Gesprächen zwischen FIA, FOM, Teams und Motorenherstellern ist die Richtung laut den vorliegenden Zusammenfassungen ziemlich klar: Keine große Hybrid-Reform, sondern eine sofort umsetzbare Änderung bei der Energierückgewinnung. Zwei von drei technischen Meetings haben bereits stattgefunden, ein drittes ist für den 20. April angesetzt. Dort sollen Entscheidungen laut den Zusammenfassungen per Abstimmung fallen, mit dem Ziel, Änderungen noch vor dem Miami Grand Prix einzuführen.
Als wahrscheinlichste Lösung gilt eine streckenspezifische Senkung der maximal rückgewinnbaren Energie pro Runde. Aktuell liegt der Wert bei 8,5 MJ, nachdem er in Suzuka bereits testweise auf 8,0 MJ gesenkt worden war. Für Miami könnten laut den Zusammenfassungen 5,0 oder 6,0 MJ im Raum stehen. Der Hintergrund ist klar beschrieben: Fahrer mussten zuletzt teils unnatürliche Techniken nutzen, etwa starkes Lift-and-Coast, Herunterschalten auf Geraden oder ein sehr passives Anfahren von Kurven, um genug Energie für den Einsatz auf den Geraden zu haben.
Für Haas geht es dabei nicht nur um eine neue Zahl im Reglement, sondern um neue Software, die praktisch ohne echte Testzeit verstanden werden muss. Hoagy Nidd, Haas Head of Car Engineering, sagte gegenüber ausgewählten Medien, darunter PlanetF1.com und RacingNews365, über die anstehenden Änderungen: „Mit den Änderungen beim Energiemanagement ist das ein Bereich, der eher von unserem Power-Unit-Partner gesteuert wird, und er wird darauf basierend eine Strategie entwickeln.“ Nidd ergänzte als Haas-Ingenieurchef im selben Mediengespräch: „Sie werden natürlich ihre Softwareänderungen einführen müssen.“ Nach Nidds Darstellung wurden dafür „einige der erforderlichen Abgabefristen für Software vor der Veranstaltung ein wenig verschoben“, damit die Hersteller den Code schreiben, ausrollen und tatsächlich testen können.
Danach beginnt für die Teams die eigentliche Arbeit. Nidd sagte als Haas Head of Car Engineering gegenüber ausgewählten Medien, dass Haas mehr Zeit darauf verwenden müsse zu verstehen, was die Änderungen für die Fahrzeugleistung bedeuten und worauf das Team reagieren muss. Genau das trifft Miami an einer heiklen Stelle, weil das Sprint-Format nur FP1 vor dem Sprint-Qualifying lässt.
Nidd machte klar, dass sich der Fokus in dieser Stunde verschieben wird. „Es ist nicht riesig, aber es verschiebt die Prioritäten leicht, wenn wir in Miami ankommen“, sagte Nidd, Haas Head of Car Engineering, gegenüber ausgewählten Medien. Normalerweise gehe es in FP1 vor allem um Reifen und grundlegende Setup-Arbeit. In Miami müsse man parallel „die Software tatsächlich testen“ und Strategiebausteine abarbeiten, etwa „den Boost testen“, „das Überholen anschauen“ und „sicherstellen, dass der Start okay ist“. Nidds Fazit in diesem Mediengespräch: „Es wird also definitiv einige Verschiebungen der Prioritäten geben, wahrscheinlich über das ganze Feld hinweg.“
Für Kundenteams ist die Lage laut Haas noch schwieriger. „Offensichtlich ist man als Kundenteam immer der Empfänger davon“, sagte Nidd, Haas Head of Car Engineering, gegenüber ausgewählten Medien. Er fügte hinzu: „Wir werden nie die Hauptpriorität sein, das ist einfach die Realität eines Kundenteams.“ Werksteams haben laut den Zusammenfassungen einen Vorteil, weil sie sich früher vorbereiten und mehr in der Simulation abdecken können.
Nidd betonte zugleich als Haas Head of Car Engineering gegenüber ausgewählten Medien, dass Haas eng mit Ferrari zusammenarbeite und diese Verbindung „eine der besseren Beziehungen“ sei, die er in der Formel 1 gesehen habe. In der eigentlichen Regeldiskussion habe Haas aber nur begrenzten Einfluss gehabt. „Wir waren daran nicht wirklich stark beteiligt“, sagte Nidd im selben Kontext, abgesehen von Gesprächen zur Vorbereitung dessen, was in den Meetings gesagt werden soll. Haas müsse dabei darauf achten, dass die eigene Position zu Ferraris Linie passt.