© Eterna

Domenicali verteidigt F1-Regeln für 2026

Stefano Domenicali hat die Kritik an den Formel-1-Regeln für 2026 deutlich zurückgewiesen und die Serie trotz der Debatte um das neue technische Reglement als gesund dargestellt. Im Interview mit dem The Race F1 Podcast sagte der F1-CEO: „La Formula 1 non ha problemi, la Formula 1 è in ottima forma“, räumte aber zugleich ein, dass der Umgang mit der Kritik „in modo diverso“ hätte erfolgen müssen.

Domenicali stützt seine Linie vor allem auf Reichweite, Nachfrage und Vermarktung. „Tutto esaurito per ogni gara“, sagte er mit Verweis auf ausverkaufte Rennen. Dazu nannte er steigende TV-Zahlen in wichtigen Märkten mit plus 26 Prozent in Australien, plus 32 Prozent in China und plus 19 Prozent in Japan. Auch auf kommerzieller Seite sieht er keinen Einbruch. Sponsoren und Partner blieben interessiert, und es gebe sogar „a queue of countries that want to host a grand prix“.

The Race veröffentlichte dazu erstmals Daten aus der F1-Fan-Voice-Community, auf die sich die Formel 1 in ihrer Einschätzung stützt. Die Plattform hat rund 50.000 Mitglieder, die nach jedem Rennen über die Qualität des Grands Prix abstimmen. Für die ersten drei Rennen 2026 lagen die kombinierten Werte aus „Excellent“ und „Good“ bei 61 Prozent in Australien, 68 Prozent in China und 48 Prozent in Japan. Gerade China und Japan verbesserten sich damit im Vergleich zu 2025, was laut Bericht erklärt, warum Domenicali „no cause for alarm“ sieht.

Der Kern seiner Argumentation ist, dass die Debatte zu sehr von technischen Details geprägt werde, die außerhalb eines kleinen Insider-Kreises kaum jemanden bewegten. „The vast majority of people watching around the world are not caring about joules, megajoules, these clips, super clips. They don't know what we're talking about“, sagte er. Aus seiner Sicht wollen Fans vor allem Rennaction sehen, nicht Diskussionen über einzelne Parameter des Reglements.

Diese Sicht bekam Unterstützung von George Russell, der der BBC sagte, es gehe um „dettagli piuttosto complessi, che onestamente i fan non hanno bisogno di capire“. Russell zog auch einen historischen Vergleich und warnte davor, beim Blick zurück „solo il meglio del passato“ in Erinnerung zu behalten, während die negativen Seiten der Gegenwart überbetont würden.

Ganz vom Tisch wischte Domenicali die Kritik der Fahrer trotzdem nicht. Nach den ersten drei Rennen hatten unter anderem Max Verstappen und Lando Norris die 2026er-Autos und ihre Eigenheiten scharf kommentiert. Domenicali sagte, daraus sei eine Lehre zu ziehen: „These kinds of things should have been handled in a different way. That's for sure.“ Das bezog sich auf die Kommunikation und darauf, wie stark diese Stimmen die Diskussion unter den Hardcore-Fans geprägt hätten.

Am Kurswechsel selbst will er deshalb aber nicht rütteln. Domenicali bezeichnete das neue Reglement als notwendig, „per mantenere la Formula 1 rilevante nell'ecosistema del motorsport“. Anpassungen schloss er nicht aus. Vielmehr verwies er auf die gemeinsame Arbeit von Teams und FIA in den kommenden zwei Jahren, um Details nachzuschärfen, falls eine andere Richtung nötig werde.

Dass die Formel 1 ihre Strahlkraft aus seiner Sicht längst nicht nur an Grand-Prix-Wochenenden entfaltet, führte Domenicali mit zwei aktuellen Beispielen aus. Auf die erhöhte Aufmerksamkeit für GT-Rennen angesprochen, sagte er: „Max Verstappen is an F1 driver there. Put a lot of eyes there.“ Ähnlich argumentierte er bei Kimi Antonelli, den er als „la giovane promessa“ bezeichnete, die zuletzt in Imola Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Für Domenicali zeigt das, dass „la F1 è ancora un faro che ispira molti fan, moltissime persone“.

Damit verteidigt der F1-Chef nicht nur das 2026er-Regelwerk, sondern auch den Kurs der Serie insgesamt: Kritik an einzelnen technischen Aspekten soll intern aufgearbeitet werden, während für die Führung der Formel 1 entscheidend bleibt, ob das Produkt weltweit Nachfrage, Publikum und Wachstum erzeugt.