© Jonathan Borba

Antonelli begeistert Italien und führt die WM an

Kimi Antonelli geht nach seinen ersten Grand-Prix-Siegen in China und Japan als WM-Spitzenreiter in die Saisonpause und hat damit laut Jean Alesi bereits etwas geschafft, woran viele italienische Fahrer vor ihm scheiterten: Er begeistert ein Publikum, das traditionell vor allem auf Ferrari schaut.

Der Mercedes-Pilot gewann zunächst am 15. März in Shanghai von seiner ersten Grand-Prix-Pole aus seinen ersten Formel-1-Lauf und legte in Suzuka nach. Nach dem Japan-Sieg war Antonelli mit 19 Jahren, 7 Monaten und 4 Tagen der jüngste WM-Führende der Formel-1-Geschichte. Vor dem Miami Grand Prix lag er neun Punkte vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell.

Jean Alesi, Ex-Formel-1-Fahrer, sagte im Exklusivinterview mit RacingNews365, Antonelli habe bereits „die Sympathie seiner Landsleute“. Für Alesi ist das in Italien alles andere als selbstverständlich. Antonelli habe „die Herzen der notorisch leidenschaftlichen italienischen Fans erobert“, obwohl diese mit den eigenen Fahrern meist streng seien und sich besonders stark auf Ferrari konzentrierten.

Alesi ordnete das auch historisch ein. Zu Zeiten von Michele Alboreto und anderen talentierten Italienern habe es oft „keinen Raum für italienische Fahrer“ gegeben, weil sich die Presse fast nur mit Ferrari beschäftigt habe. Heute sei die Lage anders. „Sie mögen ihn und sie mögen auch Ferrari. Sie sind auch sehr stolz auf Kimi“, sagte Alesi. Gerade diese doppelte Akzeptanz macht Antonellis Aufstieg in Italien besonders.

Antonelli selbst beschrieb seinen Premierensieg in China in der Mercedes Nu Silver Arrows Radio Show als „wahrscheinlich bisher den besten Tag meines Lebens“. Es sei „einer meiner Träume“ gewesen, und der erste Sieg sei immer besonders, „weil er nur einmal passiert“. Für ihn sei es ein sehr bedeutender Moment gewesen, „für mich, für das Team, für meine Familie“.

Wie groß die Wirkung in seiner Heimat war, merkte er nach der Rückkehr nach Italien. Am Flughafen hätten Journalisten auf ihn gewartet und es habe große Aufregung gegeben, weil „der letzte 2006 war“. Antonelli spielte damit auf Giancarlo Fisichellas Sieg in Malaysia 2006 an. Mit seinem Erfolg beendete er Italiens 20-jährige Durststrecke ohne Grand-Prix-Sieg.

Bei Mercedes kommt der Durchbruch intern offenbar nicht überraschend. Teamchef Toto Wolff sagte zuletzt, der Rennstall habe Antonellis Niveau nicht unterschätzt, weil man seine Fähigkeiten „sehr gut“ gekannt habe. Die Richtung sei „gut“, auch wenn Mercedes für die gesamte Saison keine „Wunder“ erwarte.

Trotz dieser Vorsicht wird Antonelli wegen der klaren Mercedes-Form und seiner frühen Siege bereits als Titelkandidat gesehen. Alesi hält sich zwar mit Prognosen noch zurück, sieht aber klar, wohin die Entwicklung gehen kann. Antonelli sei „auf dem richtigen Weg“. Zugleich sei auch Russell „ohne Zweifel“ ein ernster Titelkandidat, auch wenn er sich jetzt vielleicht „ein wenig am Kopf kratzt“.