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Cadillac muss Kühlung vor Aero opfern

Cadillacs dringendste Aufgabe nach dem Doppel-Aus in Österreich ist nicht mehr zusätzliche Performance, sondern ein Ende der wiederkehrenden Bremsprobleme: Valtteri Bottas und Sergio Perez fielen am Red Bull Ring in den ersten Runden mit Bremsbränden aus, worauf Bottas forderte, das Team müsse zur Not aerodynamische Effizienz opfern, um endlich Rennen zu beenden.

Bottas schied bereits in Runde zwei aus, Perez zwei Runden später. Das ist besonders heikel, weil Cadillac in Spielberg nicht nur ein größeres Upgrade-Paket an den MAC-26 gebracht hatte, sondern auch neue Teile zur Bremskühlung. Statt den Fortschritt des Pakets im Rennen zu bestätigen, verlor das Team beide Autos innerhalb weniger Minuten.

Bottas sagte nach dem Rennen, es gebe aus seiner Sicht keinen Weg mehr an konstruktiven Änderungen vorbei. Der Cadillac-Pilot erklärte gegenüber Medien, darunter RacingNews365: „Es ist klar, dass wir einige Teile neu konstruieren müssen, sonst werden wir keine Rennen beenden.“ Den Preis dafür akzeptiere er: „Größere Bremskühlung wird einen aerodynamischen Nachteil haben, aber diese Einbuße nehme ich in Kauf, um ein Rennen zu beenden. Wir müssen anfangen, ins Ziel zu kommen, denn dann lernen wir.“

Das machte den Ausfall in Österreich noch alarmierender, weil beide Fahrer im Training keine eindeutige Warnung gesehen hatten. Bottas sagte: „Es gab keine Warnung. Im Training war alles unter Kontrolle. Wir haben mehr als zehn Runden am Stück absolviert.“ Normalerweise reiche das aus, um die Spitzentemperaturen vor dem Rennstart zu verstehen. Am Sonntag habe aber schon ein leichter Temperaturanstieg zusammen mit dem Verkehr gereicht, und „in Runde zwei stand alles bereits in Flammen“.

Perez beschrieb denselben Auslöser aus Fahrersicht. Im Verkehr seien die Bremsen überhitzt, nachdem das Team den Effekt des Pulkfahrens unterschätzt habe. Er nannte das Wochenende das bislang schlechteste der Saison und sprach von einer großen internen Aufarbeitung der Abläufe, vor allem im Umgang mit Upgrades. Was in Österreich passiert sei, sei „völlig inakzeptabel“ gewesen.

Dass Cadillac die Ursache nicht als einmaligen Ausrutscher behandeln kann, zeigt der breitere Verlauf der Saison. In den Zusammenfassungen werden bereits frühere Brems- oder Überhitzungsprobleme in Monaco und Barcelona genannt. Die technische Analyse deutet zudem darauf hin, dass Cadillac bei der Kühlung auf stark bremsintensiven Strecken womöglich zu aggressiv auf minimale Luftführung gesetzt hat. Gerade dort kann ein zu kleiner Spielraum bei den Bremskanälen schnell kippen, wenn Temperaturen steigen oder der Luftstrom im Verkehr gestört wird.

Für Bottas wiegt das doppelt schwer, weil Österreich sein dritter Ausfall in Folge war und Cadillac damit weiter wertvolle Renndistanz verliert. Gerade diese Kilometer hätte das Team gebraucht, um das Upgrade-Paket sauber zu bewerten. Bottas sagte, der Wagen habe einen weiteren Performanceschritt gezeigt, doch ohne Zielankunft bleibe dieser Fortschritt weitgehend unbestätigt.

Damit ist die Priorität für Silverstone aus Sicht der Fahrer klar definiert. Bottas formulierte sie offen: „Wenn wir die Rennen nicht beenden, können wir aus dem Auto und dem Paket nicht viel lernen. Die Priorität ist jetzt ziemlich klar in Silverstone. Wir müssen das Rennen beenden.“ Für das neue Team ist genau das inzwischen wichtiger als jede kleine aerodynamische Reserve, weil erst eine robuste Lösung für die Bremskühlung die Grundlage schafft, aus den Upgrades überhaupt Erkenntnisse zu gewinnen.