Mercedes-Benz AG, Steve Cohen und weitere Interessenten werden mit Alpines 24-Prozent-Anteil in Verbindung gebracht. Genau in diesem Moment hat Renault seinen weltweiten M&A-Chef Guillaume Rosso in den Vorstand des Formel-1-Teams gesetzt. Duncan Minto ist aus dem Alpine-F1-Vorstand ausgeschieden, Rosso hat die Rolle am 7. April übernommen.
Der Wechsel wirkt vor allem wie ein Schritt in der Kontrolle und Steuerung des Themas. Rosso verantwortet weltweit Fusionen und Übernahmen bei der Renault Group. Laut den vorliegenden Angaben war er zuvor Finanzchef von Alpine und ist seit November auch Managing Director von Alliance Ventures, der Venture-Capital-Plattform von Renault, Nissan und Mitsubishi. Alpine stellte die Personalie laut den Zusammenfassungen als Stärkung der finanziellen und strategischen Governance dar.
Das passt zu der Lage rund um die Besitzverhältnisse des Teams. Renault bleibt Mehrheitsgesellschafter von Alpine und behält nach den vorliegenden Angaben Prüf- und Zustimmungsrechte bei einem möglichen Verkauf von Minderheitsanteilen. Im Zentrum steht Otro Capital. Die Investmentfirma hält 24 Prozent an Alpine, die sie 2023 für rund 215 Millionen Dollar gekauft hat. Heute wird dieses Paket laut PlanetF1, wie in den Zusammenfassungen zitiert, auf mehr als 620 Millionen Dollar geschätzt, bei einer Teambewertung von bis zu 2,6 Milliarden Dollar.
Ganz frei ist dieses Paket aber nicht verfügbar. Laut den Zusammenfassungen unterliegt Otro einer Lock-up-Periode und kann den Anteil vor September 2026 nicht frei übertragen. Gleichzeitig heißt es aus den in den Zusammenfassungen zitierten Quellen, dass Otro den Ausstiegswert maximieren will, während Renault darauf achtet, dass ein möglicher neuer Anteilseigner zur langfristigen strategischen Richtung von Alpine passt.
Dass es bereits konkretes Interesse gibt, hat Flavio Briatore laut den Zusammenfassungen bestätigt. Briatore sagte in den dort zitierten Äußerungen, Mercedes-Benz AG gehöre zu den Parteien mit Interesse am Otro-Anteil. Das Angebot liege bei 500 Millionen Dollar, vorbehaltlich der Finanzierung, was die Organisation mit 2,1 Milliarden Dollar bewerten würde. In den Zusammenfassungen werden unter Berufung auf gut informierte Quellen auch der US-Milliardär Steve Cohen und der frühere Red-Bull-Teamchef Christian Horner mit Alpine in Verbindung gebracht.
Rossos Ernennung spricht nach den vorliegenden Angaben trotzdem nicht für einen unmittelbar bevorstehenden Komplettausstieg von Renault. In den Zusammenfassungen wird betont, dass es keine faktische Grundlage für einen beschlossenen Gesamtverkauf gibt. Renault stellt die Formel 1 weiter als Teil seiner Markenstrategie dar. Der Schritt wirkt eher wie Teil einer breiteren Neuaufstellung, in der Alpine als eigenständiger wirtschaftlicher Vermögenswert schärfer positioniert wird.
Dazu gehört auch der Umbau des Teams über die Eigentümerfrage hinaus. Alpine wird ab 2026 Kundenteam beim Motor sein, wie es in den Zusammenfassungen heißt. In diesem Umfeld bringt Renault mit Rosso nun genau den Manager in den Vorstand, der sich im Konzern mit Transaktionen, Beteiligungen und strategischer Steuerung befasst.