Oscar Piastri sagte, sein zweiter Platz beim Japan-Grand-Prix 2026 in Suzuka habe für ihn persönlich mehr bedeutet als etwa die Hälfte seiner bisherigen neun Formel-1-Siege, weil er dort nach eigener Einschätzung absolut alles aus sich, dem Auto und dem Team herausgeholt habe.
Im Podcast High Performance erklärte der McLaren-Fahrer, der Blick in die "Geschichtsbücher" werde diesem Wochenende kaum gerecht. "Wenn man sich das in zehn Jahren in den Geschichtsbüchern ansieht, wird dort stehen: 'Okay, ich bin Zweiter geworden und habe zu diesem Zeitpunkt bereits neun Formel-1-Rennen gewonnen.'" Trotzdem, so Piastri, würde er diesen zweiten Platz "wahrscheinlich höher einstufen als etwa 50 Prozent der Siege", die er bisher geholt hat.
Den Grund dafür sah er in der Ausführung über das gesamte Wochenende. "Ich weiß, dass ich an diesem Wochenende alles herausgeholt habe", sagte Piastri. "Im Training habe ich das Maximum aus mir herausgeholt. Im Qualifying bin ich dem Maximum sehr nahe gekommen. Im Rennen habe ich das Maximum herausgeholt, und wir waren schnell genug, um den zweiten Platz zu belegen." Sein Fazit fiel entsprechend nüchtern aus: "Das war alles, was wir hatten."
Gerade deshalb wog das Ergebnis für ihn schwerer als der reine Zahlenwert. In Suzuka kam Piastri mit 13,7 Sekunden Rückstand auf Sieger Kimi Antonelli im Mercedes ins Ziel. Er selbst formulierte es allgemeiner: "Trotzdem wird in den Geschichtsbüchern stehen, dass ich um 15 Sekunden geschlagen wurde. Aber genau darin liegt das Besondere in unserem Sport." Entscheidend sei, die richtigen Maßstäbe anzulegen. Deshalb sei er nach Suzuka glücklicher nach Hause gefahren als nach "wahrscheinlich der Hälfte der Rennen", die er in seiner Karriere gewonnen habe.
Diese Einordnung bekam zusätzliche Bedeutung durch Piastris schwierigen Start in die Saison 2026. Bei seinem Heimrennen in Australien konnte er nach einem Unfall auf den Erkundungsrunden gar nicht starten. In China hatten sowohl er als auch sein McLaren-Teamkollege Lando Norris vor dem Rennen mit elektrischen Problemen zu kämpfen. Nach den ersten drei Rennwochenenden stand Piastri damit bei 21 Punkten, davon nur drei aus dem Sprint in China, und lag vor Suzuka auf Rang sechs der Fahrerwertung.
Suzuka wurde für ihn damit weniger zu einer Geschichte über einen verpassten Sieg als über eine gelungene Reaktion. Piastri machte klar, dass dieses Denken sein Grundprinzip ist: "Das ist für mich ein wirklich großer, wichtiger Faktor: sicherzustellen, dass man jedes Wochenende mit dem Gefühl nach Hause geht, absolut alles gegeben zu haben, ganz gleich, ob man das Rennen gewonnen hat, ob man Zehnter geworden ist oder sogar nur Fünfzehnter." Solange er ein Wochenende mit dem Gefühl beende, "alles getan zu haben, was in meiner Macht stand", sei das für ihn genug.
© Jonathan Borba