0,014 Sekunden, 93 Zentimeter bei über 320 km/h: Ayrton Senna hielt in Jerez 1986 Nigel Mansell auf der Linie ab und gewann für Lotus-Renault den Spanien-GP. Am 13. April trennte die beiden auf dem Circuito de Jerez das drittkleinste Finish der Formel-1-Geschichte, ein Fotofinish, das die Saison prägte und bis heute nachhallt.
Senna startete von der Pole, es war die 100. Pole für Lotus. Der Brasilianer zog das Tempo hoch, Mansell im Williams-Honda antwortete. Zur Rennmitte lag der Abstand knapp, die Luft war dünn. Später beschrieb Senna den Druck so: "Von der Startampel bis zur Zielflagge gab es keine Zeit, an etwas anderes zu denken als so schnell wie möglich zu fahren", sagte Ayrton Senna, Lotus-Pilot, in einer späteren Rückschau auf das Rennen.
Mansell griff an und übernahm laut Rennbericht in Runde 40 die Führung. Reifenverschleiß zwang ihn dann zu einem späten Stopp. Mit acht Runden Restdistanz kam er laut Rennrückblick 19,186 Sekunden hinter Senna wieder auf die Strecke. Er fuhr nun Runden, die mehr als zwei Sekunden schneller waren als die Spitze, setzte die schnellste Rennrunde und kassierte laut Rennbericht in Runde 69 Alain Prost im McLaren für Platz zwei. Zu Beginn der letzten Runde lag er laut Daten im Bericht nur noch 1,589 Sekunden hinter dem Lotus.
Dann der Sprint zur Flagge. Aus Kurve 16 beschleunigten Senna außen und Mansell innen nebeneinander auf die Zielgerade. Beide lagen bei über 320 km/h, die Autos fast Rad an Rad, laut Rennrückblick. Auf der Linie stand Senna um 0,014 Sekunden vorn, gemessen wurden 93 Zentimeter, der drittkleinste Abstand in der F1-Historie.
Unmittelbar danach hielt Mansell fest, das Duell sei fair gewesen, und er nahm das Ergebnis mit Humor. "Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie so hart gearbeitet. Es war so knapp, ich finde, sie sollten uns jeweils siebeneinhalb Punkte geben ... Sorry, Frank, beim nächsten Mal!", sagte Nigel Mansell, Williams-Pilot, in einem Interview unmittelbar nach dem Rennen, adressiert an Teamchef Frank Williams.
Alain Prost, der Dritter wurde, entschuldigte sich laut einer Nachbesprechung nach dem Rennen bei Mansell dafür, ihn nicht früher vorbeigelassen zu haben. Der Franzose gab zu, er habe gedacht, Senna sei zu weit weg. Die Punkteverteilung bekam am Jahresende Schärfe: Laut Saisonrückblick holte Prost die Fahrer-WM mit zwei Zählern Vorsprung auf Mansell. Das waren weniger als die drei Punkte, die Mansell in Jerez gegenüber Sieger Senna verlor. Die 0,014 Sekunden von Jerez blieben damit nicht nur eine Zahl, sie standen im Buch der Saison direkt neben dem Namen des Weltmeisters.