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George Russell gerät bei Mercedes unter Druck

George Russell reist neun Punkte hinter Kimi Antonelli nach Miami, obwohl er bei Mercedes als Titel-Favorit in die Formel-1-Saison 2026 gestartet war. Nach nur drei Rennwochenenden führt jetzt der jüngere Teamkollege die WM, und mehrere Ex-Fahrer sagen offen, dass Russell im internen Duell härter werden muss.

Die Lage wirkt vor allem deshalb so auffällig, weil Russell mit dem Sieg in Melbourne und dem Erfolg im China-Sprint stark begonnen hatte. Laut den vorliegenden Ergebnissen steht bei ihm nach drei Runden aber nur ein Grand-Prix-Sieg, während Antonelli die Rennen in China und Japan gewann und damit die Führung in der Fahrerwertung übernahm. James Hinchcliffe, ehemaliger IndyCar-Fahrer, sagte im "F1 Nation"-Podcast, Antonelli habe seit Shanghai "eine Stufe zugelegt" und mit "zwei starken Wochenenden mit Pole und Sieg in Folge" die WM-Spitze übernommen. Hinchcliffe forderte Russell deshalb früh zu einer anderen Gangart auf: "Ich denke, George muss ab jetzt ein bisschen kompromissloser sein", sagte der ehemalige IndyCar-Fahrer im "F1 Nation"-Podcast. Wenn Russell Antonelli zu lange "zu nah" heranlasse, könne sich "plötzlich dieses Machtverhältnis zu seinen Gunsten verschieben", sagte Hinchcliffe dort weiter.

Auch Martin Brundle sieht, dass der Druck bereits spürbar ist. Der frühere Formel-1-Fahrer und Sky-Sports-F1-Analyst sagte in der "Sky Sports F1 Show", Russell habe im Japan-GP "ein bisschen den Kopf verloren". Auslöser war für Brundle der Restart, bei dem Russell per Funk Antonellis Verhalten hinterfragte. "Kumpel, was macht Kimi da? Hält er sich an den Restart-Plan? Er fährt gerade völlig unberechenbar", sagte Russell laut Teamfunk. Kurz darauf legte er nach: "Machen wir die Abmachung jetzt oder nicht? Wir hatten für genau dieses Szenario einen Plan. Machen wir das jetzt?"

Brundle sagte in derselben Sendung über diese Szene: "Bei diesem Restart wurde George doch überrumpelt, oder, so wie in China." Er verwies auch auf Russells Batterieprobleme und sagte, der Mercedes-Pilot habe beim Restart "klar nicht die Batterie da gehabt, wo er sie gebraucht hätte", weil die Ferraris sofort Druck machten. Brundle ordnete die Situation so ein: "Ich denke, George war frustriert, hat ein bisschen den Kopf verloren." Für Russell seien das laut Brundle "schwierige Zeiten", und er müsse Antonelli "genauso behandeln, als wäre er Lewis Hamilton in seiner besten Zeit und eine Bedrohung für die Meisterschaft", sagte der Sky-Sports-F1-Analyst in der "Sky Sports F1 Show".

Noch schärfer formulierte es David Coulthard. Der ehemalige Formel-1-Fahrer sagte im "Up to Speed"-Podcast über Russells Titelkampf: "Wenn ich George Russell wäre, dann ist das hier eine Kriegszone. Kein Mr Nice Guy mehr." Coulthard forderte, Russell müsse "die Ellenbogen ausfahren". Nach außen wahre Mercedes zwar die "Fassade des Teams, wir sind Mercedes, wir lieben uns alle", sagte Coulthard im Podcast. Gleichzeitig wachse Antonellis Selbstvertrauen, und die beiden Mercedes-Fahrer seien in dieser Saison bisher noch nicht direkt Rad an Rad aneinandergeraten.

Antonelli selbst beschreibt das Duell offener und etwas nüchterner. Der Mercedes-Pilot sagte in einem Interview, Russell habe im Qualifying weiter Vorteile: "Ich denke, im Qualifying hat er immer noch die Oberhand, besonders in Q3. Er kann immer noch dieses kleine bisschen extra finden, woran ich arbeite." Russell sei "offensichtlich ein super, super starker, sehr kompletter Fahrer", sagte Antonelli dort. Zu seiner eigenen Entwicklung sagte der WM-Führende: "Großer Schritt. Erfahrung bringt sehr viel." Genau das macht Russells Lage vor Miami so brisant: Der Teamkollege lernt schnell, gewinnt schon Rennen und hat den Punktevorsprung bereits auf seiner Seite.