Teams nutzten eine als Notfall gedachte MGU‑K-Abschaltung als Booster und holten laut The Race am Ende der Quali-Runden 50 bis 100 kW Extraschub bis zur Ziellinie, die anschließende 60‑Sekunden-Sperre legten sie einfach auf die Auslaufrunde. Nach Trainingsvorfällen in Suzuka mit Max Verstappen, Kimi Antonelli und Alex Albon zog die FIA die Reißleine. Der Weltverband verbot das Manöver mit Wirkung ab Miami Anfang Mai, die Entscheidung ging laut The Race per Dokument an die Teams. Ferrari hatte den Dialog initiiert und das Thema mit Blick auf Sicherheitsrisiken auf die Agenda gebracht.
So funktionierte der Trick im Detail: Eigentlich schreibt das Reglement für das Ende einer Runde eine Leistungsreduktion vor, ein Ramp‑down von 50 kW pro Sekunde bis zur Linie. The Race berichtet, dass vor allem Mercedes und Red Bull diese Vorgabe umgingen, indem die Fahrer die MGU‑K kurz vor dem Zielstrich abschalteten und damit bis zur Linie maximale E‑Power nutzten. Der Zugewinn lag meist nur bei wenigen Hundertsteln, in einem engen Qualifying kann das aber Startplätze verschieben.
Ermöglicht wurde das durch eine Notfallregel zum Schutz der Technik. Wird die MGU‑K vom Fahrer deaktiviert, greift eine 60‑Sekunden‑Sperre, das sogenannte continuous offset. Diese Sperre sollte als Abschreckung dienen. Laut The Race erkannten Red Bull und Mercedes jedoch, dass die Sperrminute auf der langsamen In‑ oder Auslaufrunde kaum stört. Also aktivierten sie die Abschaltung genau da, wo sie am meisten bringt: im letzten Sprint zur Ziellinie.
Die Risiken traten laut The Race in Suzuka offen zutage. In den Trainings mussten Kimi Antonelli im Mercedes und Max Verstappen im Red Bull zeitweise ohne elektrische Leistung durch die Esses schleichen, Williams‑Pilot Alex Albon blieb sogar ganz stehen. Laut The Race hatten Rivalen das Vorgehen bereits in Melbourne bemerkt. Ferrari akzeptierte die formale Legalität, stellte die Taktik aber wegen der Sicherheitsrisiken infrage und bat die FIA um Klarstellung.
Die Antwort kam vor Miami in Schriftform. Der Weltverband schrieb laut The Race an die Teams: "Auch wenn den Teams weiterhin die Möglichkeit zur Deaktivierung der MGU‑K zur Verfügung steht, wird die Nutzung dieser Funktion für andere als legitime Zwecke nicht toleriert", sagte die FIA, Weltverband, in einem an die Teams versandten Dokument. Laut The Race will die FIA die End‑of‑lap‑Daten aus dem Qualifying gezielt prüfen, um echte Notfälle von performancetreiberischen Abschaltungen zu unterscheiden. Die 60‑Sekunden‑Sperre bleibt als Abschreckung bestehen.
Mit dem Verbot ist klar: Abschaltmanöver zu Performancezwecken haben keinen Platz mehr. Laut The Race erwartet die FIA, dass die Hersteller das Ramp‑down am Rundenende wieder so einsetzen, wie es gedacht ist, und dass jede MGU‑K‑Abschaltung im Zeitfenster einer Quali‑Runde erklärbar ist.