Doriane Pin hat in Silverstone als erste Frau überhaupt ein Formel-1-Auto von Mercedes gefahren und damit den bislang wichtigsten Schritt ihrer Entwicklung seit dem Titelgewinn in der F1 Academy 2025 gesetzt. Die 22-Jährige absolvierte bei einem privaten TPC-Test 76 Runden und 200 Kilometer im W12 aus der Saison 2021.
Der Einsatz auf dem Silverstone National Circuit war für Mercedes mehr als ein symbolischer Termin. Pin gehört seit 2024 zum Förderprogramm des Teams und ist inzwischen Entwicklungsfahrerin. Dass sie nun den W12 fahren durfte, das letzte Mercedes-Auto mit Konstrukteurs-WM-Titel, war der nächste konkrete Schritt auf diesem Weg.
Pin beschrieb den Tag auf der Mercedes-Website als „surreal“. Sie sagte: „Zum ersten Mal ein F1-Auto zu fahren, war surreal. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Gelegenheit bekommen habe und von diesem großartigen Team umgeben war.“ Es sei eine einzigartige Chance gewesen, die sie voll habe nutzen wollen, „während ich gleichzeitig versucht habe, den bestmöglichen Job zu machen“.
Dabei ordnete sie den historischen Charakter des Moments ein, ohne ihn zum alleinigen Thema zu machen. „Auch wenn es mich nicht definiert, eine Rennfahrerin zu sein, war es großartig zu zeigen, wozu wir fähig sind“, sagte Pin. Sie bezeichnete den Tag als extrem emotional und sagte, sie sei dankbar, diese Erfahrung mit ihrer Familie geteilt zu haben.
Sportlich war der Sprung deutlich. Der W12 sei „offensichtlich sehr anders“ als die Autos, die sie bisher gefahren habe, sagte Pin. „Alles ist anders, größer und leistungsstärker.“ Sie sei froh gewesen, Runde für Runde Vertrauen aufgebaut und zeigen zu können, wozu sie fähig sei.
Andrew Shovlin, Mercedes Trackside Engineering Director, nannte den Testtag in einem Team-Kommuniqué „einen weiteren wichtigen Meilenstein“ in einer „sehr vielversprechenden und spannenden Karriere“. Zugleich mache der Einsatz Pin zur „allerersten Frau am Steuer eines Mercedes F1-Autos“.
Shovlin sagte, ihre Vorbereitung und Professionalität hätten das gesamte Team beeindruckt. Der Schritt in ein Formel-1-Auto sei unabhängig von der Herkunftsserie immer groß, „aber sie fühlte sich von den ersten Runden an wie zu Hause“ und habe das Potenzial des Autos ausschöpfen können.
Auch Gwen Lagrue, Mercedes Driver Development Advisor, stellte den Test in einen größeren Zusammenhang. Es sei immer besonders, wenn ein junger Fahrer zum ersten Mal ein Formel-1-Auto fahre, „heute ist es noch einzigartiger“, weil Pin die erste Frau in einem Mercedes-F1-Auto sei. Mercedes sei stolz darauf, der nächsten Generation von Fahrerinnen zu zeigen, dass es möglich sei, ein Formel-1-Auto zu fahren.
Damit reicht die Bedeutung des Tests über einen einzelnen Testtag hinaus. Vor Pin hatte zuletzt Jessica Hawkins 2023 für Aston Martin einen privaten Formel-1-Test absolviert, während Susie Wolff 2014 bei Williams die bislang letzte Frau in einer offiziellen F1-Session war. Pins Einsatz im Mercedes macht damit sichtbar, was die F1 Academy erreichen soll: den Weg von der Frauenförderung in Richtung Königsklasse konkreter zu machen.
© Jonathan Borba